Landespräventionsrat Niedersachsen
CTC - communities that care

Unplugged
Suchtprävention im Unterricht
Effektivität nachgewiesen

Programminformationen

Ziel

Prävention des Konsums und Missbrauchs legaler und illegaler Substanzen. Korrektur normativer Überzeugungen, Förderung der Lebenskompetenz, Verringerung von Erstkontakten mit psychotropen Substanzen und Hinauszögern des Übergangs von experimentellem zu regelmäßigem Substanzkonsum.

Zielgruppe

Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren

Methode

"Unplugged" ist ein standardisiertes manualisiertes Unterrichtsprogramm für Schulen zur Primärprävention des Konsums und Missbrauchs legaler und illegaler Substanzen. Es wurde im Rahmen des Projekts EU-DAP („European Drug Addicition Prevention Trial“) von 2003 bis 2009 entwickelt und wird von speziell geschulten Lehrkräften durchgeführt. Das Programm basiert auf dem Konzept des umfassenden sozialen Einflusses (Comprehensive Social Influence), ist interaktiv, bezieht die Familie mit ein, liefert Informationen zu verschiedenen Substanzen und kombiniert die Korrektur normativer Überzeugungen über Substanzkonsum mit der Förderung von Sozial- und Lebenskompetenz. „Life Skills“ wie kritisches Denken, strukturiertes Problemlösen, kreatives Denken, effektive Kommunikation, Beziehungskompetenzen, Selbstwahrnehmung, Empathie und die Bewältigung von Emotionen werden im Rahmen des Programms entwickelt, gefördert und tragen dazu bei, dass Jugendliche legalen wie illegalen Substanzen kritisch begegnen und sich bewusst für gesunde Verhaltensweisen entscheiden. Das „Unplugged“ Curriculum besteht aus 12 Unterrichtseinheiten, umfasst ein Handbuch für Lehrkräfte,ein Arbeitsbuch für Schüler, Quizkarten, Arbeitsunterlagen für Elternabende und ist so gestaltet, dass es während der Unterrichtszeit durchgeführt werden kann. Die Unterrichts-einheiten konzentrieren sich auf die Komponenten Information und Einstellungen, zwischenmenschliche und intrapersonale Kompetenzen und bieten folgende Inhalte an: Einführung in das Programm, Festsetzen von Regeln für die Lektionen, Reflektion des Wissens über Drogen, Klärung von Gruppen-einflüssen und Gruppenerwartungen, Informationen über verschiedene Einflussfaktoren des Drogenkonsums, Förderung des kritischen Überdenkens von Informationen, Reflexion von eigener Meinung und tatsächlichen Daten, Informationen über Auswirkungen des Rauchens, adäquates Äußern von Gefühlen, Unterschiede verbaler und nonverbaler Kommunikation, Förderung des Selbstbewusstseins und Respekts gegenüber anderen, Erkennen und Akzeptieren von positiven Qualitäten, Akzeptanz positiven Feedbacks, Übung und Reflexion des Kontaktaufbaus mit anderen, Informationen zu positiven und negativen Wirkungen des Drogenkonsums, Selbstkontrolle, Förderung kreativen Denkens, Bewältigungsstrategien, strukturiertes Problemlösen, Entscheidungs-findung und das Setzen von Zielen. Die Inhalte werden in Form von Präsentationen, Vertragsmanagement, Gruppenarbeit, Hausaufgaben, Rollenspielen, Diskussionen im Plenum, Gruppenarbeit, Kollagen, Spiel, Plenumsdiskussion, Quiz und Feedback mit den Jugendlichen umgesetzt. Zur erfolgreichen Umsetzung von „Unplugged“ steht zusätzlich ein "Leitfaden zur Durchführung von Curricula auf der Basis des Konzepts vom umfassenden sozialen Einfluss (CSI) in Sekundarschulen" zur Verfügung, der sich in jeweils eigenen Kapiteln an Lehrkräfte, Schulleiter und Schulpolitiker wendet und begleitende Maßnahmen erörtert, die zum Gelingen eines schulischen Präventionsprogramms beitragen können.

Material / Instrumente

Programmunterlagen:Handbuch für Lehrkräfte, Arbeitsbuch für Schüler, Quizkarten, Arbeitsunterlagen für Elternabende http://www.eudap.net/unplugged_detail_on_teachin_manual_au_ge.aspx

Ansprechpartner

Dr. Karl Bohrn, Dr. Sebastian Bohrn-Mena, Institut für Sozial- und Gesundheitspsychologie (ISG), Mariahilferstraße 88a/I/6, 1070 Wien, Tel.: (+43) 1 786 18 10 I Fax: -77,
E-Mail: office@isg.co.atwww.isg.co.at

 

Evaluation

Faggiano, F., Richardson, C. Bohrn, K., Galanti, M. R. and EU-Dap Study Group (2007): "A cluster randomized controlled trial of school-based prevention of tobacco, alcohol and drug use: The EU-Dap design and study population" Preventive Medicine 44:170-173

Faggiano, F., Galanti, M. R., Bohrn K, et al.; for the EU-Dap Study Group (2008): "The effectiveness of a school-based substance abuse prevention program: EU-Dap Cluster Randomised Controlled Trial." Prev Med 47:537–43.

Faggiano, F., Vigna-Tagliantia, F., Burkhart, G., Bohrn, K. et al (2010): The effectiveness of a school-based substance abuse prevention program. 18-Month follow-up of the EU-Dap cluster randomized controlled trial. Drug Alcohol Depend. doi:10.1016/j.drugalcdep.2009.11.018.

 
Das Programm wurde am 29.08.2011 in die Datenbank eingestellt
und zuletzt am 09.05.2014 geändert.

Umsetzung und Evaluation

Evaluation
Evaluationsmethode und Ergebnisse

Faggiano et al., 2010: Internationale randomisierte Kontrollstudie mit follow-up nach 15 Monaten. Das Programm wurde in 7 europäischen Ländern (Italien, Österreich, Belgien, Griechenland, Deutschland, Spanien, Schweden) in die jeweilige Landessprache übersetzt und an nationale und kulturelle Erfordernisse angepasst. Im Anschluss an die randomisierte Auswahl von Schulen in Versuchs- und Kontrollschulen und einem Training der Lehrkräfte wurde das Programm während des Schuljahrs 2004/2005 in den Versuchsschulen durchgeführt. 143 Schulen, 78 Experimentalschulen mit 3547 Schülern und 65 Kontrollschulen mit 3532 Schülern im Alter von 12-14 Jahren nahmen an der Studie teil. Im Rahmen einer Fragebogenuntersuchung im Prä-Post-Follow-up-Design mit drei Messzeitpunkten, wurden die Verhaltens- und Einstellungsveränderungen der im Pilotversuch involvierten Schüler mit den Schülern aus der Kontrollgruppe verglichen.

„Unplugged“ zeigt positive Effekte bezüglich der Verringerung von Erstkontakten mit psychotropen Substanzen, einen deutlichen Rückgang des Tabak-, Alkohol- und Cannabiskonsumrisikos und anhaltende positive Effekte bei Phasen des Alkoholrauschs und des regelmäßigen Cannabiskonsums „in den vergangenen 30 Tagen“. Die Follow-up-Untersuchung nach 15 Monaten zeigt jedoch, dass die kurzfristige Wirkung bezüglich des täglichen Zigarettenkonsums langsam nachließ. „Unplugged“ zeigt insgesamt eine bessere Wirkung bei Jungen als bei Mädchen, wirkt effektiver bei Alkohol- und Cannabiskonsum als bei Tabakkonsum und zeigt mehr positive Effekte bei regelmäßigem Konsum als bei gelegentlichem Konsum. Eine Mediatorenanalyse ergab, dass die erzielten Ergebnisse im Zusammenhang mit dem Cannabiskonsum in erster Linie auf die Korrektur der normativen Einstellung, der positiven Erwartungshaltung gegenüber der Substanz und der positiven Haltung gegenüber illegalen Drogen zurückzuführen ist. Weniger Wirkung hingegen zeigte die Stärkung der Fähigkeiten zur Kommunikation, der Entscheidungsfindung und der Ablehnung von Drogen.

„Unplugged“ hat sich bisher als einziges Unterrichtsprogramm effizient zur Prävention des Konsums von legalen und illegalen Substanzen erwiesen, insbesondere auch bei weniger privilegierten Bildungsschichten. Es wird zurzeit erfolgreich in 11 europäischen Ländern eingesetzt und aufgrund der Evaluationsergebnisse laufend adaptiert und aktualisiert.

Konzeptqualität

Kriterien sind erfüllt

Evaluationsergebnisse
(überwiegend) positiv
Evaluationsniveau und Beweiskraft
5 Sterne, starke Beweiskraft
Aufwand
mit (€) gekennzeichnete Posten erfordern finanzielle Leistungen an Externe

(€) "Leitfaden zur Durchführung von Curricula auf der Basis des Konzepts vom umfassenden sozialen Einfluss (CSI) in Sekundarschulen", (€) Unplugged-Lehrertraining

erforderliche Kooperationspartner

Lehrer, „Unplugged-Trainer“

Zeit bis zu erwartbaren Auswirkungen auf Risiko- bzw. Schutzfaktoren
Unterstützung bei der Umsetzung

Kurzsteckbrief der Antworten des Programmanbieters auf eine Umfrage des Landespräventionsrates Niedersachsen. Weitere Informationen folgen.


Erfahrungen mit dem Programm

Programm probiert in

Italien, Griechenland, Schweden, Spanien, Belgien, Polen, Tschechien, Österreich, Deutschland, Rumänien, Kroatien, Litauen

Programm aufgenommen in anderen Datenbanken, best-practice-Listen o.ä.

Suchzugänge

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