Landespräventionsrat Niedersachsen
CTC - communities that care

Familien stärken
Familienbasierte Prävention von Sucht- und Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen
Auf der Schwelle

Programminformationen

Ziel

Förderung und Erweiterung der Erziehungskompetenz von Eltern und der Lebenskompetenzen von Kindern und Jugendlichen. Stärkung des Miteinanders von Familien für ein harmonisches Zusammenleben.

Zielgruppe

Kinder und Jugendliche im Alter von 10 - 14 Jahren und deren Familien

Methode

"Familien stärken" ist ein manualisiertes, familienbasiertes Programm zur Prävention von Sucht- und Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter, das die ganze Familie im Fokus hat.

Bei dem kombinierten Eltern-Kind-Training kommen Familien über einen Zeitraum von elf Wochen zu jeweils dreistündigen Sitzungen zusammen:

- Mit den Kindern und Jugendlichen werden personale und soziale Kompetenzen trainiert, u. a. Kommunikation und soziale Interaktion, Gefühls- und Stressbewältigung sowie Standfestigkeit bei Konsumangeboten von legalen oder illegalen Drogen.

- Zeitgleich werden mit den Eltern Erziehungsfertigkeiten geübt, u.a. Reflektion des Erziehungsstils und Förderung einer klaren und stabilen Erziehungs- und Beziehungshaltung („Liebe zeigen und Grenzen setzen“), Zeigen positiver Affekte, Senden von Ich- Botschaften etc.

- In gemeinsamen Sitzungen erarbeiten die Familien zusammen Instrumente zur Konfliktlösung und unternehmen Aktivitäten zur Förderung des Familienzusammenhalts (familiäre Schutzfaktoren werden gestärkt, Risikofaktoren geschwächt).

Nach Abschluss der ersten sieben Wochen gibt es eine Pause von vier bis sechs Monaten, in denen die Familien versuchen, die für sie passenden Programminhalte im Alltagsleben umzusetzen. Danach werden, wieder im wöchentlichen Rhythmus, vier so genannte ›Verstärkersitzungen‹ durchgeführt. Wesentliche Lehrmittel sind Videosequenzen mit Modellfamilien und darauf aufbauende interaktive Rollenspiele.

In jeder Sitzung eine gemeinsame Mahlzeit und Kinderbetreuung für jüngere Kinder angeboten.

Material / Instrumente

Stolle, M., Sack, P.-M., Stappenbeck, J., Thomasius, R. (2010). Familienbasierte Prävention bei Kindern und Jugendlichen am Beispiel des Strengthening Families Program. Sucht, 56 (1), 51-60

Stolle, M., Stappenbeck, J., Wendell, A. & Thomasius, R. (2012). Familienbasierte Prävention von Sucht- und Verhaltensstörungen – Kultursensibler Adaptationsprozess des Strengthening Families Program 10-14 in Deutschland. In Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung: Gesund aufwachsen in Kita, Schule, Familie und Quartier, Band 41, 218-226. Köln: BzgA

Stolle, M., Stappenbeck, J., Wendell, A. & Thomasius, R. (2011) Family-based prevention against substance abuse and behavioral problems: culture-sensitive adaptation process for the modification of the US-American Strengthening Families Program 10-14 to German conditions. Journal of Public Health, 19, 389-395.

Ansprechpartner

Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ)
Prof. Dr. Rainer Thomasius
c/o Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistrasse 52
20246 Hamburg
Email: info@familien-staerken.info

Evaluation

Baldus, C., Thomsen, M., Sack, P., Bröning, S., Arnaud, A., Daubmann, A., Thomasius, R. (2016): Evaluation of a German version of the Strengthening Families Programme 10-14: a randomised controlled trial, Eur J Public Health (2016) 26 (6): 953-959.

Bröning et al. (2014): Implementing and evaluating the German adaptation of the “Strengthening Families Program 10 - 14“– a randomized-controlled multicentre study. BMC Public Health 2014.

Stappenbeck, J., Wendell, A. & Thomasius, R. (2013). Familien stärken: Adaptation und Evaluation eines amerikanischen Suchtpräventionsprogramms für Familien in Deutschland – Projektbeschreibung. Abhängigkeiten, 19(1), 24-31.

Stappenbeck, J., Wendell, A. & Thomasius, R. (2013). Evaluation des familienbasierten Programms “Strengthening Families” zur Prävention von Sucht- und Verhaltensproblemen bei Kindern im Alter von 10-14 Jahren in einer randomisiert-kontrollierten Multicenterstudie. Gesundheitswesen, 75, 1-2.

Bröning, S., Thomsen, M. , Sack, P., Thomasius, R. (2013) Familienbasierte Prävention von Sucht- und Verhaltensstörungen. Evaluation der deutschen Version „Familien stärken“ des US-amerikanischen „Strengthening Families Program SFP 10 – 14“. Suchttherapie 2013.

Stappenbeck, J., Wendell, A. & Thomasius, R. (2013). „Familien stärken: Randomisiert-kontrollierte Multicenter-Studie zur Evaluation der deutschen Adaptation des US-amerikanischen ‚Strengthening Families Program 10-14’ zur familienbasierten Suchtprävention“.

 

Darüber hinaus eine Vielzahl von Evaluationen im internationalen Bereich, hier eine Auswahl:

Spoth, R., Trudeau, L., Guyll,M., Chungyeol, S., & Redmond, C. (2009). Universal intervention effects on substance abuse use among young adults mediated by delayed adolescent substance initiation. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 77(4), 620-632. - See more at: http://www.childtrends.org/?programs=strengthening-families-program-for-parents-and-youth-10-14#sthash.FxHjgCTH.pdf

Spoth, R., Redmond, C. & Shin, C. (2001).Randomized trial of brief family interventions for general population’s adolescent substance use outcomes 4 years following baseline. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 69 (4), 627-642.

 
Das Programm wurde am 13.08.2014 in die Datenbank eingestellt
und zuletzt am 21.06.2017 geändert.

Umsetzung und Evaluation

Evaluation
Evaluationsmethode und Ergebnisse

Randomisiert-kontrollierte Multicenter-Studie. Prä- und Post-Design mit follow up nach 6, 12 und 18 Monaten nach Interventionsende. Das Programm wurde von Oktober 2010 bis März 2012 in vier Städten Deutschlands (Hamburg, Schwerin, Hannover und München) hinsichtlich seiner Wirksamkeit evaluiert. Insgesamt nahmen n = 292 Familien an der Untersuchung teil, die zufällig der Interventions- oder Kontrollgruppe zugeordnet wurden. Als Untersuchungsinstrumente wurden normierte Fragebögen/Interview zur Selbst- und Fremdbeurteilung eingesetzt. Follow-up Befragungen wurden nach 6 und 18 Monaten durchgeführt. Die hauptsächlichen Ergebnisparameter waren Tabak-, Alkohol- und Cannabiskonsum nach 18 Monaten.

Die kurzfristigen Ergebnisse zeigten zunächst, dass Kinder und Jugendliche, die mit ihren Familien an dem Programm teilnehmen, besser in der Schule zurechtkommen und seltener und in der Menge weniger Tabak, Alkohol oder illegale Drogen wie Cannabis konsumieren. Die teilnehmenden Eltern berichten über verbesserte Erziehungskompetenzen und ein harmonischeres Miteinander in der Familie. Nach einer „intention to treat“- Analyse konnten keine Unterschiede zwischen Kontroll- und Interventionsgruppe in Bezug auf den Substanzgebrauch festgestellt werden. Die im Gesamtsample von den Eltern berichteten geringeren Problemverhaltensweisen der Jugendlichen fanden sich im Follow-up-Sample nicht wieder.

Konzeptqualität

Kriterien sind erfüllt

Evaluationsergebnisse
keine eindeutigen Effekte auf den Substanzkonsum
Evaluationsniveau und Beweiskraft
5 Sterne, (sehr) starke Beweiskraft
Aufwand
mit (€) gekennzeichnete Posten erfordern finanzielle Leistungen an Externe

Für die Teilnehmer kostenlos, Schulung für die Trainer

erforderliche Kooperationspartner

Eltern, ausgebildete ›Familien stärken‹ -Trainer

Hamburg: Jugend hilft Jugend e.V. www.jhj.de

München: Condrobs e.V. www.condrobs.de

Zeit bis zu erwartbaren Auswirkungen auf Risiko- bzw. Schutzfaktoren

Erfahrungen mit dem Programm

Programm probiert in

Hamburg, Schwerin, Hannover, München, USA, England, Schweden, Polen

Programm aufgenommen in anderen Datenbanken, best-practice-Listen o.ä.

Suchzugänge

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