Landespräventionsrat Niedersachsen
CTC - communities that care

Kindergarten plus
Primärpräventives Programm für Kindergärten und Kindertageseinrichtungen zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenz und Vermeidung von Verhaltensproblemen.
Effektivität nachgewiesen

Programminformationen

Ziel

Stärkung der kindlichen Persönlichkeit durch gezielte Förderung der individuellen emotionalen und sozialen Kompetenzen, zum Schutz vor Gewalt und Suchtabhängigkeit. Förderung der Basisfähigkeiten, die für den späteren Lernerfolg unverzichtbar sind: Selbst- und Fremdwahrnehmung, Einfühlungsvermögen, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Wahrnehmung von Selbstwirksamkeit und Eigenkompetenz, Motivations-, Leistungs- und Beziehungsfähigkeit.

Zielgruppe

Vier- bis fünfjährige Kinder in Kindertageseinrichtungen. Neben den Kindern bezieht Kindergarten plus Eltern, Erzieher(innen), die gesamte Kindertageseinrichtung und ihren Träger mit ein.

Methode

Kindergarten plus ist ein manualisiertes, primärpräventives Programm nach dem Setting-Ansatz und wird von geschulten Trainern (Erzieherin/Erzieher) durchgeführt.
Das Programm umfasst neun thematische Bausteine (Module), die an neun Vor- oder Nachmittagen (jeweils ca. eineinhalb bis zwei Stunden) durchgeführt werden. Inhalte der Module sind die Themenbereiche: Körper, Sinne, Gefühle (Angst und Mut, Wut und Freude, Traurigkeit und Glück), Beziehungen, Grenzen und Regeln, Dokumentation.
Eine Kindergarten plus - Gruppe umfasst acht bis zwölf Kinder im (Entwicklungs-)Alter von vier bis fünf Jahren.

Kindgerecht werden die Kinder mit Hilfe der Spielfiguren (Handpuppen) Tula & Tim durch das Programm begleitet: Kreative Methoden und Impulse in Spielen, Übungen, Gesprächen, Bewegung und Liedern leiten die Kinder dazu an, Körperbewusstsein zu entwickeln, ihre Sinne zu erfahren, Gefühle ausdrücken und benennen zu können, Konflikte gewaltfrei zu lösen und Eigenarten wahrzunehmen.
Zum wiederkehrenden Ablauf gehört ein Begrüßungsritual (Namensschilder, Lied „Tula & Tim“), Dialoge mit den Handpuppen Tula & Tim, ein Gesprächskreis mit praktischen Übungen, eine Obstpause, Bewegungsspiele, ein Lied zum Thema des Moduls, kreative Aufgaben sowie ein Abschiedsritual (Gefühlsperle).
Das Programm kann parallel oder nacheinander in mehreren Gruppen durchgeführt werden. Es richtet sich an alle Kinder einer Tageseinrichtung, schließt kein Kind aus und ist auch für Kinder mit besonderen Bedürfnissen geeignet. 
Kindergarten plus basiert auf der Erkenntnis, dass die entscheidenden Grundlagen emotionaler Intelligenz im frühen Kindesalter gelegt werden und jedem geistigen Lernschritt ein sozial-emotionaler voraus geht. Das Programm ist mit unterschiedlichen pädagogischen Handlungskonzepten und Ansätzen (u.a. Montessori, Reggio Pädagogik, Situationsansatz) kompatibel. Weitere wichtige Prinzipien sind die (Vor)strukturierung von Lernsituationen sowie ein ausgewogenes Verhältnis von Anleitung und freiem Spiel.

Material / Instrumente

Material-Set Kindergarten plus: Materialien für Kinder, Eltern und Erzieher(innen). Eine beigefügte CD-ROM enthält zahlreiche Text- und Bildmaterialien, die ausgedruckt werden können. http://www.kindergartenplus.de/programm/p_materialien.htm

Ansprechpartner

Deutsche Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft (Initiative gegen frühkindliche Deprivation) e.V.

Charlottenstraße 65 
10117 Berlin 
Tel.: 030-28 59 99 70 
Fax: 030-28 59 99 71

Kontakt: 
info@kindergartenplus.de

Evaluation

Evaluation des Präventionsprogrammes „Kindergarten plus“ zur Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenzen, Dissertation zur Erlangung des Grades Doktorin der Philosophie, vorgelegt von Julie Klinkhammer 2013

http://opus.uni-lueneburg.de/opus/volltexte/2013/14276/pdf/Dissertation_Klinkhammer_Gesamt.pdf

Problemverhalten
 
Das Programm wurde am 19.08.2014 in die Datenbank eingestellt
und zuletzt am 16.09.2015 geändert.

Umsetzung und Evaluation

Evaluation
Evaluationsmethode und Ergebnisse

Quasi-experimentelle Studie mit follow-up nach 8 Monaten

Im Zeitraum 2008 bis 2011 wurde Kindergarten plus im Land Niedersachsen wissenschaftlich evaluiert. Ziel der Evaluation war es, die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit des Programms in Bezug auf das emotionale und soziale Lernen der Kinder zu überprüfen. 424 Kinder aus 24 Interventions- und 13 Kontrollkindergärten nahmen an der Untersuchung teil.

Die Stichprobe setzte sich aus N=424 Kindern aus 37 Kindergärten in Niedersachsen zusammen. 228 Kinder gehörten der Interventions- und 196 Kinder der Kontrollgruppe an. Die Entwicklung der Kinder wurde zu drei Messzeitpunkten (vorher, nachher, follow-up) während eines Jahres mit dem "Fragebogen zu Stärken und Schwächen" (SDQ-deu Erzieherauskunft), mit Fragen zum positiven Konfliktverhalten (Erzieherauskunft) und der "Skala zur Erfassung des Emotionswissens" (SEW- Kinderinterview) erhoben.

Darüber hinaus wurde eine formative Befragung mit den durchführenden Trainerinnen (N= 28) zu ihren Erfahrungen mit dem Programm durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigten, dass Kindergarten plus das Problemverhalten der Kinder verringern und prosoziales Verhalten fördern kann. Die sozialen Kompetenzen der an dem Programm teilnehmenden Kinder verbesserten sich signifikant. Soziale Impulsivität und tendenziell Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen nahmen ab. Die emotionalen Kompetenzen der Kinder verbesserten sich ebenfalls signifikant im Hinblick auf die Abnahme ihrer externalisierenden Verhaltensauffälligkeiten (Wutanfälle, mangelnde Folgsamkeit, Lügen und Stehlen).

Konzeptqualität

Kriterien sind erfüllt

Evaluationsergebnisse
(überwiegend) positiv
Evaluationsniveau und Beweiskraft
4 Sterne, hinreichende Beweiskraft
Aufwand
mit (€) gekennzeichnete Posten erfordern finanzielle Leistungen an Externe

Materialien und Fortbildung der Erzieher/innen (€)

erforderliche Kooperationspartner

Kindertagesstätten, Eltern

Zeit bis zu erwartbaren Auswirkungen auf Risiko- bzw. Schutzfaktoren

Erfahrungen mit dem Programm

Programm probiert in
Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Schleswig-Holstein
Programm aufgenommen in anderen Datenbanken, best-practice-Listen o.ä.

Suchzugänge

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