Landespräventionsrat Niedersachsen
CTC - communities that care

Triple P System
Effektivität wahrscheinlich

Programminformationen

Ziel

Durch Implementation eines konsistenten, integrierten und evidenzbasierten Präventionssystems in Kommunen sollen folgende Ziele erreicht werden:

- Förderung der gesunden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen;
- Stärkung der elterlichen Erziehungs- und Beziehungskompetenz;
- Förderung der psychischen Gesundheit von Familien;
- Prävention von emotionalen Störungen und Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen sowie von Kindesmisshandlung und Inobhutnahmen, Gewalt und Delinquenz, Schulabbrüchen, Substanzmissbrauch

Zielgruppe

Für alle Eltern, insbesondere Eltern von Kindern bis 12 (Triple P), Eltern von Jugendlichen (Teen Triple P) und Eltern von Kindern mit Entwicklungsverzögerung oder Behinderung (Stepping Stones Triple P)

Methode

Fortbildungen für Fachleute
Das Triple P-System bietet Fortbildungen für Fachleute unterschiedlicher Berufsgruppen (z.B. Ärzte, Ergotherapeuten, Erzieherinnen, Psychologen, Sozialpädagogen/Sozialarbeiter) und Arbeitsbereiche (z.B. Erziehung, Bildung, Gesundheit, Kinder- und Jugendhilfe), die es ihnen ermöglichen, Elternberatung und -training in ihren Berufsalltag zu integrieren und Eltern in der positiven Erziehung ihrer Kinder wirkungsvoll zu unterstützen. Da Eltern sich bzgl. der Art und Menge an Unterstützung, die sie brauchen, unterscheiden und Fachleute sehr unterschiedlich arbeiten, stehen unterschiedliche Angebote zur Verfügung. Diese sind aufeinander abgestimmt und variieren in ihrer Modalität (z.B. Einzel- vs. Gruppenangebote) und Intensität (Ebene 1=niedrig bis Ebene 5=hoch) sowie bzgl. ihrer Zielgruppe (Eltern von Kindern bis 12 Jahre, Eltern von Jugendlichen bis 16 Jahre, Eltern von Kindern mit einer Entwicklungsverzögerung oder Behinderung). So findet jede Fachkraft die Fortbildung, die am besten zur eigenen Arbeitsweise, zum Arbeitskontext und zu den Bedürfnissen der jeweiligen Familien passt.

Vernetzung stärken und Sektorengrenzen überwinden
Die verschiedenen Triple P-Angebote können einzeln, in unterschiedlichen Kombinationen oder als komplettes System implementiert werden. Darüber hinaus wird jedes Triple P-Angebot mit den meisten bereits bestehenden Programmen als kompatibel angesehen und kann diese sinnvoll ergänzen. Durch konzeptuelle und sprachliche Schnittmengen soll das Triple P-System über Professions- und Sektorengrenzen hinweg die Kooperation, Kommunikation und Vernetzung zwischen Fachleuten erleichtern.

Aus Sicht der Familien
Das Triple P-System stärkt Eltern in ihren Erziehungs- und Beziehungskompetenzen und soll genau die Art und Menge an Unterstützung ermöglichen, die sie brauchen, um aktuelle und zukünftige Schwierigkeiten lösen zu können. Dabei sollen Eltern konsistente Botschaften über unterschiedliche Anlaufstellen hinweg erhalten und können auch bei wechselnden Ansprechpartnern an bereits Gelerntes anknüpfen. Wenn dies gelingt, soll dies Erfolgserlebnisse ermöglichen, die Selbstwirksamkeitserwartung stärken und dadurch Selbstständigkeit und Unabhängigkeit der Familien fördern. Alle Triple P-Angebote sollen für Eltern transparent und ressourcenorientiert sein, auf frühe Erfolge abzielen und die Zuschreibung dieser Erfolge auf die eigene Person unterstützen. So sollen Kinder in einem liebevollen, sicheren und vorhersehbaren Familienumfeld aufwachsen und wichtige Lebenskompetenzen lernen (z.B. Selbstbild, soziale Kompetenzen, Selbstkontrolle, Problemlösekompetenzen).

Nutzen für die Kommune
Kommunen sollen Eltern besser erreichen, den Zugang zu Unterstützung erleichtern und dadurch letztendlich Kosten einsparen können.
 

Aktuell in Deutschland verfügbaren Triple P-Ebenen und -Angebote, die im Rahmen des Triple P-System eingesetzt werden können:

Ebene 1: Universelles Triple P, z.B. Medienkampagne „Bleib positiv“
Ebene 2: Kurze Informations- und Beratungsangebot, z.B. die Triple P-Vortragsreihe
Ebene 3: Themenspezifische Beratungs- und Trainingsangebote, z.B. die Triple P-Kurzberatung
Ebene 4: Umfassende Trainingsangebote, z.B. das Triple P- Gruppentraining, das Triple P-Einzeltraining und das Triple P-Selbstlerntraining (z.B. Online-Elternkurs)
Ebene 5: Vertiefende Familieninterventionen, z.B. Triple P Plus und Triple P Wege

Material / Instrumente

Vielfältige Materialien für Fachleute zur Durchführung der Triple P-Angebote (z.B. Manuale, PowerPoint-Präsentationen) sowie Materialien für Eltern (z.B. „Kleine Helfer“, Arbeitsbücher) und zahlreiche Informations- und Kommunikationsmaterialien („Bleib positiv“-Kommunikationsstrategie, z.B. Flyer, Broschüren, Elternzeitungen, Internetseite)

Programmbeschreibung

Website http://www.triplep.de/; Infos für Kommunen: http://www.triplep.de/pages/institutionen/uebersicht.htm
 
Dirscherl, T., Hahlweg, K., Born, R., Kulessa, A., Sanders, M.R., von Wulfen, Y. (2011): Triple P – ein „Public Health“-Ansatz zur Förderung der seelischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen durch Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz. Grundlagen, Struktur, Inhalte und Evaluation. Münster: Triple P Deutschland

Dirscherl, T., Born, R. (2012): Elternkompetenzen und seelische Gesundheit von Kindern fördern - säulenübergreifend, multidisziplinär und evidenzbasiert. In: Waldemar Stange (Hg.): Erziehungs- und Bildungspartnerschaften. Grundlagen und Strukturen von Elternarbeit. Wiesbaden: Springer VS, S.500-507.

weiteres Material:
Bücher, Broschüren, DVDs, Poster u.ä. siehe: http://www.triplep.de/

Ansprechpartner

Triple P Deutschland, Nordstraße 22, 48149 Münster, Tel,: 0251/518941

Evaluation

Frantz, I., Stemmler, M., Hahlweg, K., Plück, J. & Heinrichs, N. (2015): Experiences in Disseminating Evidence-Based Prevention Programs in a Real-World Setting, Prevention Science, Online First 02.04.2015

Frantz, I. & Heinrichs, N. (2015). Wirksamkeit einer Werbekampagne zur Erhöhung der Bekanntheit ausgewählter evidenzbasierter Präventionsprogramme. Kindheit und Entwicklung, 24, 20–27.

Frantz, I. & Heinrichs, N. (2013). FAMOS – (Familien Optimal Stärken). Gewaltprävention durch die flächendeckende Implementierung von Programmen zur Stärkung von Familien in der Praxis. Forum Kriminalprävention, 2, 69-73.

Prinz, R. J., Sanders, M. R., Shapiro, C. J., Whitaker, D. J., & Lutzker, J. R. (2009). Population-based prevention of child maltreatment: The U.S. Triple P system population trial. Prevention Science, 10, 1-12. doi: 10.1007/s11121-009-0123-3

 
Das Programm wurde am 30.07.2015 in die Datenbank eingestellt.

Umsetzung und Evaluation

Evaluation
Evaluationsmethode und Ergebnisse

Studie FAMOS ("Familien Optimal Stärken", Frantz et al. 2015, Franz & Heinrichs 2013, 2015): Vorher-Nachher-Messung mit Kontrollgruppe in der Praxis
Triple P Stufe 1-4 wurde im Rahmen dieser Studie in der gesamten Kommune Paderborn eingeführt, gemeinsam mit dem EFFEKT-Kinderkurs und dem Programm PeP (Programm für expansives Problemverhalten), Recklinghausen diente als Kontrollkommune. 211 Fachkräfte wurden in den Programmen fortgebildet und regelmäßig befragt, rund 3480 Familien mit Kindern bis 12 Jahre wurden nach drei Jahren mit den Angeboten erreicht (30% der in Frage kommenden Familien) und stichprobenweise zu verschiedenen Zeitpunkten befragt, ebenso wie eine Gruppe zufällig ausgewählter Familien aus der Bevölkerung. Die Ergebnisse weisen auf eine kurzfristig höhere Rate der Teilnahme an Elternbildungsangeboten in der Interventionskommune hin, auf eine erhöhte Teilnahme von Eltern mit niedrigem sozioökonomischen Status und auf positive Effekte bei den Erziehungsmethoden, Verhaltensproblemen von Kindern und der Lebensqualität der Kinder.

Konzeptqualität

Kriterien sind erfüllt

Evaluationsergebnisse
(überwiegend) positiv
Evaluationsniveau und Beweiskraft
2 Sterne, vorläufige Beweiskraft
Aufwand
mit (€) gekennzeichnete Posten erfordern finanzielle Leistungen an Externe

Je nach eingestzten Stufen (siehe Programm-Inhalt) Medien (€), unterschiedlich häufige Kontakte zu akkreditierten Fachleuten (€) und ggf. Gruppenräume sowie Kinderbetreuung. Verschiedene Fortbildungen (€), um akkreditierter Triple P - Anbieter vor Ort zu werden.

erforderliche Kooperationspartner

Einrichtungen des Erziehungs-, Bildungs- oder Gesundheitswesens oder der Jugendhilfe als Veranstalter der Elternkurse oder als Anstellungsträger der Berater und Multiplikatoren

Zeit bis zu erwartbaren Auswirkungen auf Risiko- bzw. Schutzfaktoren

Erfahrungen mit dem Programm

Programm probiert in
Paderborn, Triple P Anbieterliste: www.triplep.de/pages/infosfuereltern/anbieterliste.php
Programm aufgenommen in anderen Datenbanken, best-practice-Listen o.ä.

Council of Europe (2005) Good practices and national policies in the field of parenting. Collection of contributions from member states. Strasbourg: Committee of Experts on Children and Families, S. 28 ff

Stevens, A., Kessler, I., & Steinack, K. (2006) A review of good practices in preventing the various types of violence in the European Union. Report prepared for the European Commission.

Landesinitiative “Gesundes Land Nordrhein-Westfalen” http://www.infoportal-praevention.nrw.de/ und andere (vgl. www.triplep.de/pages/fuer_fachleute_und_institutionen/referenzen/who_nice.htm)

ProMenPol http://www.mentalhealthpromotion.net/?i=promenpol.de.toolkit.184

Niederländische Datenbank effektiver Interventionen: http://www.nji.nl/nl/Databanken/Databank-Effectieve-Jeugdinterventies-Erkende-interventies-Triple-P

Blueprint- Promising Programs: http://www.colorado.edu/cspv/blueprints/promisingprograms.html

Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation: http://whqlibdoc.who.int/publications/2009/9789241597821_eng.pdf

Empfehlungen des European Crime Prevention Network (http://www.eucpn.org/goodpractice/showdoc.asp?docid=116)

Empfehlungen des National Institute for Clinical Health & Excellence
(http://www.triplep.de/pages/fuer_fachleute_und_institutionen/referenzen/who_nice.htm)

Investing in Children mit Cost-Benefit-Berechnungen: www.investinginchildren.eu


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