Landespräventionsrat Niedersachsen
CTC - communities that care

Partnerschule
Effektivität wahrscheinlich

Programminformationen

Ziel

Zentrales Anliegen der Partnerschule ist eine Verbesserung der konkreten Situation des einzelnen Paares. Die Partner sollen wieder Wege zueinander finden können. Falls es doch zu einer Trennung oder Scheidung kommt, sollen sie so viel partnerschaftliches Miteinanderumgehen gelernt haben, dass sie mindestens als Eltern gut miteinander zusammenarbeiten können.

Zielgruppe

Paare mit akuten Belastungen und Konflikten (Partnerschafts-Checkup)

Methode

Die Partnerschule ist eine Vorgehensweise in Eheberatung und Paartherapie, bei der die Vermittlung von Beziehungskompetenzen im Vordergrund steht. Sie wurde 1990 von Dr. Rudolf Sanders entwickelt. Das Verfahren bedient sich einer Kombination aus dem Einzelgespräch mit einem Paar und der Beratung in und mit Gruppen. Diese wird entweder als Abendveranstaltung in vierzehntägigem Abstand in den Räumen der Beratungsstelle durchgeführt oder als Internatsveranstaltung in Kooperation mit Einrichtungen der Erwachsenenbildung eine Woche lang oder über mehrere Wochenenden verteilt. Maximal nehmen 9 Paare an einer Gruppe teil, manchmal auch Einzelpersonen, deren Partner eine Teilnahme ablehnt. Die Gruppenarbeit soll in einem angenehmen und akzeptierenden Klima stattfinden. Parallel zur Beratung wird eine Kinderbetreuung angeboten.
Inhaltlich werden drei aufeinander aufbauende Typen der Partnerschule angeboten. Durchgehende Elemente aller drei sind: bewegungsorientierte Übungen (eine Art von Gymnastik, bezogen auf die jeweiligen inhaltlichen Themen), Übungen, die das partnerschaftliche Miteinanderumgehen fördern und Reflexionen, die einladen, das Geschehen in der Gruppe mitzusteuern.

1. Basisseminar: "Anleitung zur Selbsthilfe" (insgesamt 40 - 60 Stunden)
In diesem Seminar geht es insbesondere um die Themen: Was für ein Paar sind wir? Welche Schwächen, welche Stärken zeichnen uns aus? Welche Beziehungserfahrungen bringt jeder von beiden mit in die Partnerschaft? Welche Ideen hat jeder von einer Ehe, einem partnerschaftlichen Zusammenleben? Welche Ziele setzen wir uns als Paar?

2. Kleines Genusstraining: "Lebendigkeit, Sinnlichkeit & Sexualität" (an drei Wochenenden)
Es gliedert sich in drei Sequenzen. Bei der ersten soll ein wohlwollender Blick auf den eigenen Körper als den Ausgangspunkt der Sexualität geübt werden. In der zweiten stehen das Gespräch über Sexualität und die Bedeutung von Träumen und Phantasien als Wegweiser lebendiger Sexualität im Mittelpunkt. Im letzten Abschnitt geht es um die Integration der gegengeschlechtlichen Anteile, basierend auf der Idee, dass in jedem Mann Weibliches und in jeder Frau Männliches lebt.

3. In Verbundenheit wachsen: "Training von Autonomie und Zweisamkeit" (Blockseminar über vierzehn Tage oder kürzer an Wochenenden)
Hierbei handelt es sich um ein paar- und familientherapeutisches Seminar, das aufgrund seiner Rahmenbedingungen den Teilnehmern intensive Erfahrungs- und Lernmöglichkeiten bietet. In der Regel haben die Teilnehmer bereits vorher an einem Basis Seminar teilgenommen. "Offizielle" therapeutische Arbeit wechselt hier mit der Möglichkeit, mit anderen Teilnehmern gemeinsam Zeit zu verbringen und zu gestalten, aber auch sich allein für sich selbst zurückzuziehen. Dienste am Gemeinschaftsleben wie Spülen oder Getränkedienst werden abwechselnd wahrgenommen. Jeder ist an den Abenden eingeladen, sich mit seinen Fähigkeiten und Künsten in die Gruppe einzubringen.

Programmbeschreibung
Ansprechpartner

Dr. Rudolf Sanders
Sauerlandstr. 4
D 58706 Menden
Praxis: Fritz-Thomée-Str.70, 58762 Altena
Tel: 02352 9733 27
www.partnerschule.de/sites/allgemein/kontakt.html

Evaluation

Kröger C. & Sanders R. (2002): Klärung und Bewältigung von Partnerschaftsstörungen in und mit Gruppen. Effektivität und Effizienz des paartherapeutischen Verfahrens Partnerschule. In: Beratung Aktuell, 4, 176-195. (Beratung Aktuell 4 -2002)

Kröger C. & Sanders R. (2005): Paarberatung in und mit Gruppen - eine wirksame Intervention? In: Zeitschrift für klinische Psychologie und Psychotherapie. 1, 47 – 53

Kröger, C. (2006): Evaluation. In: Sanders, Rudolf Beziehungsprobleme verstehen Partnerschaft lernen. Partnerschule als Kompetenztraining in Ehe und Familienberatung. Paderborn: Junfermann Verlag, S. 256 – 268.

Problemverhalten
 
Das Programm wurde am 26.08.2016 in die Datenbank eingestellt.

Umsetzung und Evaluation

Evaluation
Evaluationsmethode und Ergebnisse

Kröger & Sanders (2002), Vorher-Nachher-Messung ohne Kontrollgruppen: Die Stichprobe bestand aus Klientinnen und Klienten, die auf Grundlage der Vorgehensweise der Partnerschule beraten wurden. Diese wurden zu Beginn der Beratung (Prä) und unmittelbar nach Beratungsende (Post) befragt (N=163, 75 Paare und 13 Einzelklienten). Für n=60 Klienten liegen Follow-up Ergebnisse (6 Monate nach Abschluss) vor. Das Auswahlverfahren der Stichprobe wird nicht genannt. Die gemessene Belastungssituation erwies sich als typisch für Klienten im Vergleich zu einer Studie auf Bundesebene. Zur Messung werden in der Wissenschaft etablierte Erhebungsinstrumente eingesetzt (Problemliste, Einschätzung von Partnerschaft und Familie, Allgemeine Depressionsskala, Beschwerdenliste). Für die durchschnittliche Gesamtproblembelastung ergab sich im Pra-Post-Test eine signifikante Reduzierung. Bei verschiedenen gemessenen Dimensionen (Partnerschaftszufriedenheit, Problemlösekompetenzen) ergaben sich Verbesserungen, mit teilweise unterschiedlichen Ergebnissen für Männer oder Frauen. Die berechneten Effektstärken liegen meist im mittleren Bereich. Die Follow-up Ergebnisse fallen noch günstiger aus, allerdings scheint es sich hier um eine Subgruppe besonders erfolgreicher Klienten zu handeln.

Kröger & Sanders (2005), Vorher-Nachher-Messung ohne Kontrollgruppen, Benchmark / Norm-Referenz-Studie: Selbstselegierte Stichprobe von N=88 Paaren, die in der Beratungsstelle Hagen-Iserlohn-Menden nach der Vorgehensweise der Partnerschule beraten wurden. Prä- und Postuntersuchung, Follow-up nach 6 Monaten für 32 Paare. Als Erhebungsinstrumente kamen der Fragebogen zur Erfassung der partnerschaftlichen und familiären Situation, Problemliste und die Allgemeine Depressionsskala zum Einsatz. Diese Erhebungsinstrumente wurden auch in bundesweiten Vergleichsstudien eingesetzt. Signifikante Effekte für verschiedene Dimensionen in Bezug auf Verringerung der Problembelastung und Steigerung der Zufriedenheit in Posttest, Effektstärken liegen wiederum im mittleren Bereich. Noch deutlichere Zugewinne ließen sich im Follow-up feststellen. Im Vergleich der Ergebnisse mit einer Meta-Analyse (Shadish et al. 1993) und bundesweiten Erhebungen (Klann & Hahlweg 1994, Klann 2002) liegen die Effektstärken beim Post-Test teilweise leicht unter den ermittelten Werten oder im allgemeinen Rahmen von Paartherapie. Allerdings übersteigen die Ergebnisse im Follow-up die gemessenen Verbesserungen die bisherigen Befunde.

Kröger (2006), Benchmark / Norm-Referenz-Studie: Stichprobe umfasst N=44 beratene Paare, die mit dem Modul „Allgemeine Lebenszufriedenheit“ des „Fragebogen zur Lebenszufriedenheit“ befragt wurden (FLZ-A). Für das FLZ-A liegen Normwerte aus einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe vor (Henrichs & Herschbach 2000). Die Ergebnisse zeigen, dass die Stichprobe bei der Prä-Messung in ihrer Lebenszufriedenheit in vielen Lebensbereichen signifikant unzufriedener als der Bevölkerungsdurchschnitt ist. Bei der Post-Messung ergeben sich signifikante Verbesserungen bei der Stichprobe, die vor allem auf positive Veränderungen in dem Bereich Partnerschaft / Sexualität zurückzuführen ist. Die Post-Ergebnisse der Behandlungsgruppe bleiben allerdings unterhalb der Werte der Normstichprobe.

Konzeptqualität

Kriterien sind erfüllt

Evaluationsergebnisse
(überwiegend) positiv
Evaluationsniveau und Beweiskraft
1 Stern (Benchmark / Norm-Referenz-Studie), vorläufige Beweiskraft
Aufwand
mit (€) gekennzeichnete Posten erfordern finanzielle Leistungen an Externe

(€) Zertifizierte Ausbildung zur/zum Partnerschule-TrainerIn

erforderliche Kooperationspartner

Familienberatungsstelle, ausgebildeter Berater nach Partnerschule - Methode

Zeit bis zu erwartbaren Auswirkungen auf Risiko- bzw. Schutzfaktoren

Erfahrungen mit dem Programm

Programm aufgenommen in anderen Datenbanken, best-practice-Listen o.ä.

Im Jahr 2000 als Modellprojekt im Rahmen der Aktion des Familienministeriums zur Gewaltprävention gewürdigt 


Suchzugänge

Risikofaktoren
Schutzfaktoren
Programmtyp
Institutionen
Geschlecht
Alter der Zielgruppe
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 
sonstige Zielgruppenspezifikationen
Die Aufnahme erfolgt hier als selektives Präventionsprogramm zur Verringerung des Risikos für Kinder aus konfliktbelasteten Familien. Die Partnerschule richtet sich auch an Paare ohne Kinder.

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