Landespräventionsrat Niedersachsen
CTC - communities that care

Olweus
Bullying Prevention Programm
Effektivität wahrscheinlich

Programminformationen

Ziel

Verminderung mittelbarer und unmittelbarer Gewalt und Verbesserung der Beziehungen unter den Schülern. Es sollen Bedingungen geschaffen werden, die Opfern und Tätern ein besseres Auskommen miteinander innerhalb und außerhalb der Schule möglich machen. Dabei wird eine Steigerung ihrer sozialen Kompetenz angestrebt. Weiterhin soll eine Verbesserung des Schulklimas und des Zusammenhalts erreicht werden.

Zielgruppe

SchülerInnen aller Schulstufen

Methode

Bevor mit dem Programm begonnen werden kann, sollten zwei Rahmenbedingungen erfüllt sein: Zum einen muss bei allen Beteiligten ein entsprechendes Problembewusstsein entwickelt sein, d.h., dass der momentane Zustand des Gewaltproblems Schule von Lehrern und Eltern erkannt ist. Zum anderen müssen Lehrkräfte und Eltern den momentanen Zustand ändern wollen. Der Start des Programms erfolgt in mehreren Schritten: Zunächst findet eine Fragebogenerhebung statt, in der alle Schülerinnen und Schüler den Ist-Zustand des Gewaltproblems einschätzen. Die Ergebnisse der Befragung bilden die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen. Dann wird ein “Pädagogischer Tag“ durchgeführt. Er dient dazu, die Fragebogenergebnisse auszuwerten und Maßnahmen vorzubereiten. Ein langfristiger Handlungsplan wird aufgestellt. Daran schließt sich die Schulkonferenz an, auf der das Interventions- und Präventionsprogramm verabschiedet wird. Den Kern des Programms bilden Maßnahmen auf drei Ebenen: auf der Schul-, der Klassen- und der persönlichen Ebene (Schwerpunkt: Klassenebene). Es geht vor allem um die Einführung von Klassenregeln, an deren Erarbeitung die Schüler zu beteiligen sind. Olweus schlägt drei Regeln vor:
1. Wir werden andere Schüler nicht mobben.
2. Wir werden versuchen, Schülern, die gemobbt werden, zu helfen.
3. Wir werden uns Mühe geben, Schüler einzubeziehen, die leicht ausgegrenzt werden.
Parallel zur Erarbeitung der Klassenregeln sollte die Erarbeitung von Konsequenzregeln stattfinden. Konkrete „Strafen“ bzw. Wiedergutmachung für das Nicht-Einhalten der Klassenregeln sollen festgelegt werden. In wöchentlichen Klassengesprächen wird die Einhaltung der Klassenregeln ausgewertet.

Die wichtigsten Maßnahmen auf den verschiedenen Ebenen stellen sich wie folgt dar:
Maßnahmen auf Schulebene: Ist-Stand-Erhebung (Fragebogen), pädagogischer Tag, Schulkonferenz, erhöhte Pausenaufsicht, Kontakttelefon, vermehrte Kooperation zwischen LehrerInnen und Eltern, verantwortliches Lehrerteam (Steuerungsgruppe), Arbeitsgruppen der Elternvertreter
Maßnahmen auf Klassenebene: Klassenregeln, Lob und Strafe, regelmäßige Klassengespräche, kooperatives Lernen, gemeinsame positive Aktivitäten, Verbesserung der Schüler-Lehrerbeziehungen
Maßnahmen auf persönlicher Ebene: Gespräche mit den TäterInnen, Opfern, Eltern, Diskussionsgruppen, Versetzung einzelner Kinder als letzten Ausweg.
Die Grundprinzipien des Programms umfassen eine von Wärme, positiver Anteilnahme und Beteiligung der Erwach-senen geprägte schulische Umgebung, die Schaffung klarer Regeln gegenüber inakzeptablen Verhaltensweisen und die Anwendung von nichtfeindlichen, nichtkörperlichen Konsequenzen bei Regelverletzungen.

Ein wichtiger Punkt des Programms ist die Zusammenarbeit von Lehrkräften und Eltern. Die Eltern müssen von den geplanten Veränderungen an der Schule unterrichtet werden, außerdem sollen sie aufgefordert werden, aktiv an den Bestrebungen der Schule mitzuarbeiten und im Falle von auftretenden Schwierigkeiten Kontakt zu halten. Die Zusammenarbeit kann durch einen Elternabend zum Thema “Gewalt“ eingeleitet werden. Auch die Einrichtung von Lehrergruppen zur Verbesserung des Klimas an der Schule wird als wichtige Maßnahme genannt. In diesen Gruppen sollten nach Möglichkeit alle Lehrer mitarbeiten und einen einheitlichen Standpunkt zum Umgang mit gewalttätigen Auseinandersetzungen erarbeiten. Aufgabe dieser Gruppen ist auch die gegenseitige Unterstützung, vor allem die konkrete Hilfe für die Lehrkräfte, die in ihren Klassen oft Gewaltprobleme zu lösen haben. Als letzte Maßnahme auf Schulebene sind die Arbeitsgruppen der Elternversammlungen und Elternkonferenz zu nennen.

Material / Instrumente

Die Materialien zum Training sind über die Olweus-Gruppe in Norwegen oder über die U.S. Homepage bestellbar: Schoolwide Guide with DVD/CD-Rom (2007); Teach Guide with DVD/CD-ROM (2007); Olweus Bullying Questionnaire (2007). Jeder Trainer kann mit bis zu 5 Schulen arbeiten.

Programmbeschreibung

http://www.gemeinsam-gegen-gewalt.at/resources/files/157/programme-olweus.pdf

http://www.ganztag-blk.de/ganztags-box/cms/upload/ind_foerderung/BS_5_Vertrauen/136_M_Olweus-Programm.pdf

weiteres Material:

Olweus, D. (2002). Gewalt in der Schule: Was Lehrer und Eltern wissen sollten - und tun können. 3., korr. Auflage. Bern: Huber.

Polizei – Beratung: http://www.polizei-beratung.de/medienangebot/details/form/7/35.html

Ansprechpartner

www.olweus.org, http://www.clemson.edu/olweus/, bisher ist kein deutschsprachiger lizensierter Anbieter bekannt.

Der Landkreis Ostprigniz-Ruppin setzt eine deutsche Adaption des Anti-Bullying Konzeptes nach Olweus ein (in Kombination mit dem Kindergarten-Programm EFFEKT).

 

Evaluation

Hanewinkel, R. & Knaack, R. (1999). Prävention von Aggression und Gewalt an Schulen. Ergebnisse einer Interventionsstudie. In H. G. Holtappels, W. Heitmeyer, W. Melzer & K.-J. Tillmann (Hg.), Forschung über Gewalt an Schulen. Erscheinungsformen und Ursachen, Konzepte und Prävention (2., korr. Aufl., S. 299 -313). Weinheim: Juventa.

Limber, S. P. (2004b). Implementation of the Olweus Bullying Prevention Program: Lessons Learned from the Field. In D. Espelage & S. Swearer (Eds.) Bullying in American Schools: A Social- Ecological Perspective on Prevention and Intervention (pp. 351-363). Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum.

Olweus, D. (2004). The Olweus Bullying Prevention Programme: Design and implementation issues and a new na-tional initiative in Norway. In P. K. Smith, D. Pepler, & K. Rigby (Eds.), Bullying in schools: How successful can interventions be? (pp. 13-36). Cambridge, UK: Cambridge University Press.

Olweus, D., Limber, S. P., & Mihalic, S. (1999). The Bullying Prevention Program: Blueprints for Violence Prevention, Vol. 10. Center for the Study and Prevention of Violence: Boulder, CO.

Problemverhalten
 
Das Programm wurde am 24.05.2011 in die Datenbank eingestellt
und zuletzt am 27.10.2014 geändert.
Kommentar der Programm-Verantwortlichen

Keine Äußerung bis zum 10. 10. 2011


Umsetzung und Evaluation

Evaluation
Evaluationsmethode und Ergebnisse

In Schleswig-Holstein beteiligten sich 47 Schulen an dem Programm. Das Evaluationsdesign war eine quasi-experimentelle Feldstudie mit Pre- und Posttest. Die Messungen fanden von Juni 1994 bis Juni 1996 statt. Die Ergebnisse zeigten eine Reduktion der Mobbingopfer für die Klassenstufen 3-10, jedoch zeigte sich auch ein gegenteiliger Effekt: Für die Klassenstufen 11-12 zeigte sich eine Zunahme der Anzahl der Mobbingopfer. Ein möglicher Grund wäre das Bestehen eines Kurssystems anstelle eines Klassenverbandes. Das Programm konnte in der eigentlichen Form nicht stattfinden, evtl. waren die Fragebögen nicht passend für diese Klassenstufen.

International erbrachte eine Reihe von methodisch aufwändigen Evaluationsstudien folgende Ergebnisse:
Rückgang aller Formen des Bullyings und der Viktimisierung; Verringerung von Problemverhalten wie Vandalismus und Schuleschwänzen; Verbesserung des Klimas in den Klassen sowie positivere Einstellung zur Schule und zum Lernen; Vermehrte Kontaktaufnahme zu LehrerInnen durch Opfer; Kompetenterer Umgang der LehrerInnen mit Bullying (insbesondere Arbeit mit den Opfern); Keine Verlagerung der Konflikte auf den Schulweg oder andere Orte.

Das Universitätsklinikum Heidelberg führt derzeit (2014 - 2017) eine neue Studie in Deutschland zur Wirkung des Olweus-Programms durch.

Konzeptqualität

Kriterien sind erfüllt

Evaluationsergebnisse
(überwiegend) positiv
Evaluationsniveau und Beweiskraft
3 Sterne, schwache Beweiskraft (deutsche Evaluation), internationale Studien waren zum Teil methodisch aufwändiger und hatten starke Beweiskraft.
Aufwand
mit (€) gekennzeichnete Posten erfordern finanzielle Leistungen an Externe

Trainerausbildung (9 Trainingstage, 3 Tage Supervision, €), Materialien (Trainerleitfaden etc.,€).

erforderliche Kooperationspartner

Schulleitung, Lehrkräfte, Eltern, für die Trainerausbildung gibt es bisher keine deutschen Trainer

Zeit bis zu erwartbaren Auswirkungen auf Risiko- bzw. Schutzfaktoren
Unterstützung bei der Umsetzung

Derzeit keine Unterstützung bei der Umsetzung in Deutschland durch einen legitimierten Anbieter.


Erfahrungen mit dem Programm

Programm probiert in
Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, ursprünglich in Norwegen
Programm aufgenommen in anderen Datenbanken, best-practice-Listen o.ä.

Blueprint – Model Programs: http://www.colorado.edu/cspv/blueprints/modelprograms.html

Communities That Care- Prevention Strategies Guide: http://www.sdrg.org/ctcresource/


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