Landespräventionsrat Niedersachsen
CTC - communities that care

ELTERN-AG
ELTERN-AG - ein Präventionsprogramm für sozial benachteiligte Eltern
Effektivität nachgewiesen

Programminformationen

Ziel

Unterstützung für Eltern in Erziehungsfragen, Verbesserung der kindlichen Entwicklung, Steigerung der elterlichen Erziehungskompetenz und der familiären Harmonie, Steigerung der elterlichen Kooperationsbereitschaft sowie der elterlichen Netzwerkkompetenz, Möglichkeit des Kennenlernen von Angeboten und Einrichtungen im jeweiligen Sozialraum, Erleichterung der Gestaltung von Übergängen (Familie – Kita – Grundschule)

Zielgruppe

Paare in der Familienplanungsphase sowie Eltern mit Kindern bis zum Vorschulalter in Familien in schwierigen Lebenslagen, sozial benachteiligte Eltern, die durch konventionelle Hilfeangebote nur sehr schwer erreicht werden.

Methode

Nach einer sechs- bis zehnwöchigen Vorlaufphase, in der die Eltern, vor allem in Kooperation mit Institutionen und Multiplikatoren, geworben werden, treffen sich interessierte Eltern über 20 Wochen einmal wöchentlich und lernen dabei, wie sie ihre Kinder besser fördern können. Eine Kinderbetreuung wird bei Bedarf angeboten. Angeleitet werden die Eltern von ausgebildeten Mentoren, die direkt in den Nachbarschaften arbeiten und unter anderem über Multiplikatoren wie Erzieher, Hebammen oder Kinderärzte den Kontakt zu den Familien herstellen. Die Mentoren vermitteln den Eltern Grundlagen der Kindererziehung und Methoden zur Stressbewältigung und ermöglichen den Teilnehmern einen direkten Austausch mit anderen Eltern und die Bildung von Nachbarschaftsnetzwerken.

In den ersten zehn Treffen werden die Eltern durch die Mentoren in das Programm eingeführt und mit dem Konzept vertraut gemacht. In weiteren zehn Treffen werden die konzeptionellen Abläufe der ELTERN-AG und die bisher vermittelten Inhalte gefestigt. Die Eltern tauschen sich untereinander und mit den Mentoren aus, können ausprobieren und entdecken, was ihnen und ihren Kindern gut tut, bilden Nachbarschaftsnetzwerke und wachsen zunehmend in die eigenständige Durchführung der Treffen hinein. Im Anschluss an den Kurs treffen sich die Eltern weiterhin als selbstorganisierte und sozialräumlich vernetzte Gruppe. Implizit lernen die Eltern Grundlagen der Kindererziehung und Methoden zur Stressbewältigung.

Alle Treffen folgen einer dreigliedrigen Struktur: „Mein aufregender Eltern-Alltag“ (Learning by doing), „Relax“ (Stressmanagement, Entspannung) und „Schlaue Eltern“ (Wissensvermittlung). Es werden die Eltern-Kind-Interaktion (Bindungsverhalten), die kindliche Entwicklung bis zur Einschulung sowie lebensweltliche und sozialräumliche Bedingungen fokussiert. ELTERN-AG setzt auf Erfahrungsaustausch in der Gruppe, Begegnung und gemeinsames Lernen auf gleicher Augenhöhe, Empowerment und Anleitung zur Selbsthilfe, Niedrigschwelligkeit, eine aktivierende und wertschätzende Arbeitsweise und auf Freiwilligkeit, denn mit verordneter Hilfe haben viele Teilnehmer schlechte Erfahrungen gemacht. 

Programmbeschreibung

www.eltern-ag.de,

weiteres Material:

Armbruster, M.M. (Hrsg., 2004). Das Präventionsprogramm „Eltern-AG“. Magdeburg: MAPP e.V.

Gaschke, S. (2001). Die Erziehungskatastrophe. Kinder brauchen starke Eltern. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt. 

Ansprechpartner

MAPP-Empowerment gemeinnützige GmbH, Anerkannter Träger der Kinder- und Jugendhilfe, Programm ELTERN-AG, Klausenerstr. 15, 39112 Magdeburg,

Telefon: 0391 / 72 77  640, Fax: 0391 / 72 77 64 21, E-Mail: info@eltern-ag.de

Evaluation

Nexus, Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung:
http://www.nexusinstitut.de/de/arbeits-forschungsbereiche/buergergesellschaft-globalisierung-und-identitaet/40-laufende-projekte/184-projekt-eltern-ag

Marisa Schneider, Birgit Böhm (2012): Sozial benachteilige Eltern erreichen: Erste Ergebnisse aus der Evaluation des Elternprogramms ELTERN-AG, in: Klaus Fröhlich-Gildhoff, Iris Nentwig-Gesemann und Hartmut Wedekind (Hrsg.) Forschung in der Frühpädagogik V. Schwerpunkt: Naturwissenschaftliche Bildung - Begegnung mit Dingen und Phänomenen. Freiburg: FEL Verlag Forschung - Entwicklung - Lehre. Materialien zur Frühpädagogik. Band 10.

 
Das Programm wurde am 25.05.2011 in die Datenbank eingestellt
und zuletzt am 22.10.2014 geändert.
Kommentar der Programm-Verantwortlichen (21.12.2011)

Angaben des Programmträgers zum Programm weitgehend übernommen, Evaluation läuft von 2010 bis 2014.


Umsetzung und Evaluation

Evaluationsmethode und Ergebnisse

Eine abgeschlossene Teilnehmerbefragung (82 % der teilnehmenden Eltern) zur Akzeptanz, Zielgruppenadäquanz, Kontinuität der Teilnahme und wahrgenommenen Wirkungen der ELTERN-AG. Die Eltern berichten u.a. von einer Verbesserung der Beziehung zum Kind, eine bewusstere Wahrnehmung, Nutzung und Ausweitung der eigenen Erziehungskompetenzen. (0 Sterne, keine Beweiskraft, Ergebnisse überwiegend positiv).

Eine bis 2015 angelegte Evaluation wird derzeit als quasi-experimentelle Panelstudie mit Kontrollgruppe und follow-up durchgeführt, erste vorläufige Ergebnisse zur Zielgruppenerreichung, Teilnehmerzufriedenheit, Vernetzung und Empowerment der Teilnehmer, wahrgenommener sozialer Unterstützung, Steigerung der Erziehungskompetenz und Verbesserung des Erziehungsverhaltens liegen als Kongressbeitrag vor (4 Sterne, starke Beweiskraft, Ergebnisse teils positiv, teils (noch) nicht signifikant).

In der Publikation Schneider / Böhm 2012 werden positive Zwischenergebnisse der Panelstudie berichtet. Die Zielgruppe benachteiligter Eltern wird nachweislich erreicht. Zum Messzeitpunkt t3 (6 Monate nach Programmabschluss) treffen sich 68% der Teilnehmer/innen weiter mit anderen Eltern aus der Gruppe. Bei den teilnehmenden Eltern hat die wahrgenommen soziale Unterstützung und die Erziehungskompetenz signifikant zugenommen. Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigen die Kinder eine signifikante Verbeserung der Testwerte für emotionale Entwicklung. Einschränkungen in der Aussagekraft der Ergebnisse ergeben sich aufgrund der derzeit noch kleinen Stichprobengröße zum zweiten und dritten Messzeitpunkt.  

Konzeptqualität

Kriterien sind erfüllt

Evaluationsergebnisse
(überwiegend) positiv
Evaluationsniveau und Beweiskraft
4 Sterne, hinreichende Beweiskraft
Aufwand
mit (€) gekennzeichnete Posten erfordern finanzielle Leistungen an Externe

Fortbildung zum ELTERN-AG Mentor für pädagogische Fachkräfte (€), Durchführung der jeweils 20-wöchigen Elternkurse (2 Stunden pro Woche sowie Vor- und Nachbereitung), Material (€), (Das Angebot ist für die Teilnehmer kostenfrei)

erforderliche Kooperationspartner

MAPP-Empowerment GmbH (gemeinnützige GmbH), Träger der freien Wohlfahrtspflege, Akteure der Sozialen Arbeit, Multiplikatoren im Stadtteil, Eltern

Zeit bis zu erwartbaren Auswirkungen auf Risiko- bzw. Schutzfaktoren
Unterstützung bei der Umsetzung

Kurzsteckbrief der Antworten des Programmanbieters auf eine Umfrage des Landespräventionsrates Niedersachsen. Weitere Informationen folgen.


Erfahrungen mit dem Programm

Programm probiert in
Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg, Berlin sowie Nordrhein-Westfalen und vereinzelt in Hessen, Niedersachsen und Bayern. Von 2004 bis 06/2011 wurden ca. 752 Eltern mit etwa 1.856 Kindern von 139 Mentoren erreicht.

Suchzugänge

Schutzfaktoren
Programmtyp
Geschlecht
Alter der Zielgruppe
0 1 2 3 4 5 6 
sonstige Zielgruppenspezifikationen
Sozial benachteiligte Eltern

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