Landespräventionsrat Niedersachsen
CTC - communities that care

PFADE
Programm zur Förderung Alternativer Denkstrategien
Effektivität nachgewiesen

Programminformationen

Ziel

Förderung von emotionalen, sozialkognitiven und sozialen Kompetenzen und von Verantwortungsübernahme, Prävention von Emotions- und Verhaltensstörungen.
Ziele auf der Ebene des Kindes: externalisierendes aggressives Problemverhalten vermindern, externalisierendes nicht aggressives Problemverhalten vermindern, internalisierendes Problemverhalten und Substanzmissbrauch vermindern, Lernbereitschaft und Leistungen erhöhen.
Ziele auf der Ebene der Schule: Klassen- und Schulklima verbessern, Disziplinprobleme mindern. Dies soll auch Lehrkräfte entlasten und Burnout reduzieren.

Zielgruppe

Kinder im Grundschulalter

Methode

PFADE arbeitet an sieben Schwerpunktthemen, die wiederholt aufgenommen werden: Gefühle, gesundes Selbstwertgefühl, Selbstkontrolle, soziale Problemlösefertigkeiten, Umgang mit Freundschaften und Beziehungen, Regeln des Zusammenlebens, Lern- und Organisationsstrategien.

PFADE geht davon aus, dass das Lernen in sozialisationsrelevanten Systemen erfolgt. Daher werden die Eltern miteinbezogen. Erstens bringen die Kinder ihre Komplimente-Liste nach Hause und nach Erhalt eines Komplimentes von den Eltern wieder in die Schule zurück. Zweitens erhalten die Kinder Hausaufgaben, bei denen sie neue Kompetenzen ausprobieren oder die Eltern befragen. Die Hausaufgaben führen zu einer neuartigen Auseinandersetzung zwischen Kind und Eltern. Drittens werden die Eltern regelmäßig über die Inhalte informiert: Die Schulen organisieren einen Informationsabend, bei dem das PFADE-Fachteam zusammen mit der Schule selbst das Programm vorstellt. Auch beinhaltet der PFADE-Ordner themenspezifische Informationsbriefe, die den Kindern im Laufe des Schuljahres für ihre Eltern mit nach Hause gegeben werden. Die Elternbriefe enthalten Informationen zu bestimmten Konzepten, die in der Schule besprochen werden. Die Eltern können so Veränderungen im Verhalten des Kindes besser einordnen, aber auch das Kind auf die behandelten Themen ansprechen und die Entwicklung unterstützen.

Die Motivation der Lehrpersonen, der Transfer in den Schulalltag, aber auch die Quantität und Qualität der Umsetzung in der Praxis sind von besonderer Bedeutung. Dem wird durch eine sorgfältige Umsetzung des Programms Rechnung getragen. Interessiert sich eine Schule oder ein Team für PFADE, kann es sinnvoll sein, zuerst eine Informationsveranstaltung zusammen mit der Schulbehörde durchzuführen. Dies gewährleistet, dass sich die Lehrkräfte damit auseinandersetzen können, ob das Programm für ihre Schule in Frage kommt. Eine Alternative besteht darin, dass man im Team die vorhandenen Fragen sammelt und eine Kontaktperson mit der PFADE-Projektleitung Kontakt aufnimmt, um sie zu klären. Ein sorgfältiger Entscheidungsprozess ist in jedem Fall wichtig, damit die Passung von PFADE zur Schule stimmt, die Umsetzung gut gestaltet werden kann und gegenseitige Erwartungen geklärt werden können. Paralllel zum Informationsprozess werden die Kosten der Umsetzung geklärt.

Damit die Konzepte auch tatsächlich in den Schulalltag einfließen können, wird die Umsetzung von PFADE in ganzen Schulen empfohlen. Es kann aber schwierig sein, alle Lehrpersonen für das Projekt zu gewinnen. Es ist daher auch möglich, dass eine Teilgruppe von Lehrpersonen mit PFADE startet. Da die Arbeit mit PFADE doch einiges auslöst und beinhaltet, sind das Gespräch mit der Schulleitung und ihre Unterstützung notwendig.

Damit das Gelernte im Schulalltag angewendet werden kann und die Konzepte die Schulkultur durchdringen können, wird PFADE in der Regel durch die Klassenlehrpersonen unterrichtet. Die PFADE-Stunden eignen sich aber auch für Teamteaching (z.B. KLP und SHP, KLP und SozialpädagogIn, usw.) Alle Formen der Kooperation bezüglich PFADE zwischen Lehrpersonen und weiteren schulischen Bezugspersonen werden unterstützt, denn es ist von Vorteil, wenn alle Lehrpersonen, welche für eine Klasse Verantwortung tragen, involviert und beteilig sind.

Inhaltlich startet das Projekt mit der Schulung der beteiligten Lehrpersonen. Im Falle einer Schule werden möglichst neben den Lehrpersonen auch die weiteren schulischen Akteure wie Hort-Personal, Hausmeister und VertreterInnen von Behörden einbezogen. Die Schulung beinhaltet drei Teilveranstaltungen: Eine Startveranstaltung von gut 2 Stunden, zwei Schulungstage (ganztags) und einen Vertiefungshalbtag. Die Teilnehmenden werden mit dem Curriculum bekannt gemacht, sowohl in unterrichtspraktischer Hinsicht als auch mit den Hintergründen und der Philosophie des PFADE-Programms. Zudem besteht das Ziel darin, eine erste persönliche Auseinandersetzung der Teilnehmenden mit den Konzepten anzustoßen. An der Schulung erhalten die Lehrpersonen auch das Material, so dass sie nach der Schulung bereit sind, in ihrem Unterricht mit PFADE zu beginnen. Die Schulung findet möglichst kurz vor Beginn der Umsetzungsphase statt. Während der Umsetzungsphase – besonders in der ersten Zeit - werden die Lehrpersonen durch eine pädagogische Fachperson des PFADE-Fachteams begleitet und unterstützt. Diese sind immer engagierte Fachleute mit Erfahrung als Lehrperson. Das Ziel dieser Begleitung ist die Sicherung der Qualität der Umsetzung von PFADE. Der PFADE-Coach besucht PFADE-Lektionen, anschliessend findet ein Coachinggespräch statt. Bestandteil des Gesprächs sind Tipps und Rückmeldungen durch den Coach, aber auch Fragen und Eindrücke seitens der Lehrperson. Die Anzahl solcher Coaching-Besuche im ersten PFADE Jahr ist vorher abzusprechen, wobei die Intensität der Beratung zu Beginn eher hoch sein sollte und mit der Zeit abnehmen kann. Wichtig ist, dass die Lehrpersonen in der Umsetzung von PFADE nicht alleine gelassen werden und durch die Coaches ermutigt werden, regelmäßig und auf einem hohen Niveau mit PFADE zu arbeiten. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Reflexionen und der fachliche Austausch nicht nur auf den PFADE-Unterricht positiv auswirken, sondern generell für die Klassenführung, die Unterrichtsqualität und die Schulentwicklung anregend und hilfreich sein können.

Material / Instrumente

PFADE-Ordner, Kopiervorlagen, Gefühlskarten, Holzsockel, Handpuppen, Poster, ergänzende Unterlagen

Programmbeschreibung

www.pfade.ch

weiteres Material:

Infomappe PFADe auf o.g. Website

Ansprechpartner

Dr. Rahel Jünger, Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich, Freiestraße 36, CH 8032 Zürich,  rjuenger@ife.uzh.ch

Evaluation

Eisner, M., Ribeaud, D. (2009): Prävention durch Förderung von Sozialkompetenz – Wirkungen eines schulbasierten Kompetenztrainings. Universität Zürich – Pädagogisches Institut.

Eisner, M., Ribeaud, D. (2008): Das Zürcher Interventions- und Präventionsprogramm an Schulen ‚zipps‘ – eine Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse. Bern: Bundesamt für Gesundheit.

Eisner, M., Ribeaud, D., Jünger, R.; Meidert, U. (2007) Frühprävention von Gewalt und Aggression – Ergebnisse des Zürcher Interventions- und Präventionsprojektes an Schulen. Zürich: Rüegger Verlag.

 
Das Programm wurde am 25.05.2011 in die Datenbank eingestellt
und zuletzt am 02.03.2017 geändert.
Kommentar der Programm-Verantwortlichen

Schreibweise des Namens, Hinweis auf weitere Datenbanken, Kontaktdaten und Beschreibung der Methode geändert am 13. 7. 2011 und am 15. 7. 2011


Umsetzung und Evaluation

Evaluation
Evaluationsmethode und Ergebnisse

Vergleich von Schülern aus zufällig der Experimentalgruppe zugewiesenen Grundschulen in Zürich mit Schülern aus Grundschulen der Kontrollgruppe (geschichtete Stichproben, teils neben anderen Programmen für die Eltern). Befragungen von Eltern, Kindern und Lehrern vor, kurz nach und ein Jahr nach dem Training bezüglich Sozialverhalten und sozialer Kompetenz der Kinder.
Es zeigten sich Teilerfolge bei der Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenzen der teilnehmenden Kinder: Verringerung aggressiver Problemlöse-Schemata, aber keine Zunahme von sozial kompetenten Problemlösungen. Nach Lehrer-Einschätzung Verbesserung des Erkennens von Gefühlen und des Umgangs mit Konflikten. Keine Wirkung auf Fairness, Aggressionen gegen andere oder das Befolgen von Klassenregeln, keine Auswirkung auf das Sozialverhalten der Kinder.
In den USA zählt PATHS als „Blueprints“-Programm zu den am besten evaluierten und nachweislich wirksamen Maßnahmen. Im Vergleich zu Kontrollgruppen zeigten sich bei Grundschülern (auch bei Kindern mit verschiedenen Behinderungen) Verbesserungen der Selbstkontrolle, des Erkennens und Verstehens von Gefühlen, der Frustrationstoleranz, der Verwendung wirksamer Konfliktbewältigungsmuster und der Denk- und Planungsfähigkeiten. Sie zeigten weniger Angstgefühle und weniger Verhaltens- und Gewaltprobleme.

Konzeptqualität

Kriterien sind erfüllt

Evaluationsergebnisse
(überwiegend) positiv
Evaluationsniveau und Beweiskraft
5 Sterne, sehr starke Beweiskraft
Aufwand
mit (€) gekennzeichnete Posten erfordern finanzielle Leistungen an Externe

Schulung der Lehrkräfte und anderen Personals (€, zwei Tage), Ordner mit Schulungsmaterial (€), Supervision (€)

erforderliche Kooperationspartner

Lehrkräfte, Schulleitung, Eltern

Zeit bis zu erwartbaren Auswirkungen auf Risiko- bzw. Schutzfaktoren
Unterstützung bei der Umsetzung

Kurzsteckbrief der Antworten des Programmanbieters auf eine Umfrage des Landespräventionsrates Niedersachsen. Weitere Informationen folgen.


Erfahrungen mit dem Programm

Programm probiert in

Vor allem in der (deutschsprachigen) Schweiz und in Wien, siehe www.gewaltprävention-an-schulen.ch/Ueber_uns/PFADE-Schulen.html 

Programm aufgenommen in anderen Datenbanken, best-practice-Listen o.ä.

Suchzugänge

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