Landespräventionsrat Niedersachsen
CTC - communities that care

fairplayer.manual
Effektivität nachgewiesen

Programminformationen

Ziel

Förderung von sozialen Kompetenzen und Zivilcourage – Prävention von Bullying / Mobbing und Schulgewalt

Zielgruppe

Kernzielgruppe Schüler der 7. bis 9. Klasse, außerdem die jeweiligen Lehrkräfte

Methode

fairplayer.manual ist eine manualisierte, strukturierte Präventionsmaßnahme, die unterrichtsbegleitend zur Förderung sozialer Kompetenzen und zur Prävention von Bullying eingesetzt wird. Im Rahmen des Programms entwickelte Materialien und Methoden beziehen sich neben der grundsätzlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt, Bullying /Mobbing und Zivilcourage auf entwicklungsorientierte Förderung sozialer Kompetenzen, moralische Sensibilität der Jugendlichen und unterschiedliche, am Bullyingprozess beteiligte soziale Rollen (Paticipant Role Approach), die von Schülern eingenommen werden. Das Bewusstsein für Gewaltsituationen wird geschärft, Handlungsalternativen werden vermittelt und es wird zu einem Einschreiten ohne Gefährdung der eigenen Sicherheit angeleitet. Im Anschluss an eine Lehrerfortbildung wird die Maßnahme gemeinsam von Lehrern und fairplayer.teamern umgesetzt. Auch die Eltern werden im Rahmen von 2 Elternabenden informiert und in die Maßnahme miteinbezogen. In mindestens 15 bis 17 aufeinander aufbauenden Schuldoppelstunden sollen zivilcouragiertes und prosoziales Handeln gefördert, soziale Kompetenzen gestärkt und persönliche Verantwortungsübernahme unterstützt werden. Anleitungen zu strukturierten Rollenspielen fördern Empathie und kognitive Perspektivenübernahme. Die Jugendlichen lernen, sich in andere Rollen hineinzuversetzen, etwa in die des Täters oder in die des Opfers und auch, wie sie in einer Bullying-Situation einschreiten können, ohne sich selbst zu gefährden. Modelllernen, soziale Verstärkung und Verhaltensfeedback (Kognitiv-behaviorale Methoden) werden eingesetzt um kognitive, emotionale, soziale und moralische Kompetenzen auszubauen. fairplayer.manual schafft einen Rahmen, der es zunächst den ressourcenstarken Schülerinnen und Schülern ermöglichen soll, sich für die Opfer eizusetzen, um dann auf die gesamte Gruppe überzugreifen. Auf Schulklassenebene werden demokratiepädagogische Elemente, Diskussionen über moralische Dilemmata zur Förderung moralischer Urteilsfähigkeit und Übungen zum Transfer der gelernten Inhalte in den Alltag angewandt. Mit Hilfe der Dilemmata-Methode wird den Schülern eine altersgerechte Konfliktsituation geboten, die anhand eines strukturierten Leitfadens, angeleitet durch eine erwachsenen Moderator, von den Schülern in einer anschließenden Gruppendiskussion bearbeitet wird. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, erarbeitete Lösungsansätze und Handlungsmöglichkeiten nach ihren Ideen umzusetzen und zu präsentieren (z.B. einen Kurzfilm drehen, in Form von Rollenspielen). Mit Hilfe verschiedener Medien erfolgt eine breit angelegte Wissensvermittlung. Aufgrund der breiten Ausrichtung und moderner Methoden wird die Aufmerksamkeit der Jugendlichen regelmäßig gefordert und eine intensivere Auseinandersetzung mit relevanten Themen erreicht. Die Schüler lernen, dass eine Reihe von Möglichkeiten für einen gewaltfreien Umgang mit ihren Mitschülern existiert und gestalten diese aktiv und eigenverantwortlich mit. Gleichzeitig wird ein Raum geschaffen, in dem die Schüler respektvoll miteinander umgehen und auf Grundlage sachlicher Argumente zu diskutieren lernen. Sozial-emotionale Kompetenzen sowie Toleranz werden auf diese Weise gefördert und durch Lernen-am-Erfolg das Bewusstsein für eine gewaltfreie Diskussionsebene im sozialen Miteinander geschaffen. Wichtig ist, dass es sich um Jugendliche handelt, die - wie im Klassenkontext - regelmäßig zusammenkommen. Ein besonderer Fokus wird auf die Integration der Maßnahme in den Unterrichtsablauf gelegt. Ziel ist eine langfristige Integration der Methoden in den Unterricht.

Material / Instrumente

Bestellung des Manuals unter http://www.v-r.de/

Programmbeschreibung

www.fairplayer.de

Scheithauer, H./Bull, H.D. (2010) Das fairplayer.manual zur unterrichtsbegleitenden Förderung sozialer Kompetenzen und Prävention von Bullying im Jugendalter: Ergebnisse der Pilotevaluation. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 59, 266 - 281.

Scheithauer, H./Rosenbach, C./Niebank, K. (2008): Gelingensbedingungen für Prävention von interpersonaler Gewalt im Kindes- und Jugendalter. Expertise zur Vorlage bei der Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention (DFK).Bonn.

Scheithauer, H./ Hayer, T./Niebank, K. (Hrsg./2007) Problemverhalten und Gewalt im Jugendalter und in der Schule - Erscheinungsformen, Entstehungsbedingungen, Intervention und Prävention. Kohlhammer. Stuttgart.

 

Ansprechpartner

Prof. Dr. phil. Herbert Scheithauer, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin, Tel.: 030 838-5 65 46, Fax: 030 838-5 65 88, E-Mail: hscheit@zedat.fu-berlin.de

 

Evaluation

Scheithauer, H. & Bull, H.D. (2007) Unterrichtsbegleitende Förderung sozialer Kompetenzen und Prävention von Bullying im Jugendalter - das fairplayer.manual. Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik, 43, S. 277 - 293 (insbesondere S. 287 ff).

Bull, H.D., Schultze, M., Scheithauer, H. (2009) School-based Prevention of Bullying and Relational Aggression: The fairplayer.manual (Short Report). European Journal of Developmental Science, 3 (3), S. 312 - 317.

Scheithauer, H., Hess, M., Schultze-Krumbholz, A., Bull, H.D., (2012) School-based Prevention of Bullying and Relational Aggression: The fairplayer.manual, New Directions for Youth Development, 133, 55-70

http://userpage.fu-berlin.de/~hscheit/pdf/projekt_fairplayer.manual.pdf

Problemverhalten
 
Das Programm wurde am 29.08.2011 in die Datenbank eingestellt
und zuletzt am 15.04.2015 geändert.
Kommentar der Programm-Verantwortlichen (16.08.2011)

Hinweise zu neueren Evaluationen und inhaltliche Klarstellungen wurden eingepflegt.


Umsetzung und Evaluation

Evaluation
Evaluationsmethode und Ergebnisse

Das fairplayer.manual wurde 2004 entwickelt und wird fortlaufend im Rahmen der Disseminations- und Wirkungsforschung auf seine Wirkung und Umsetzungsfähigkeit hin evaluiert und weiterentwickelt.

Die Outcome-Variablen (u.a. Soziale Rollen beim Bullying, sozialer Gruppenstatus, Angst vor sozialer Zurückweisung, soziale Intelligenz, Empathie, Perspektivenübernahme, Verantwortungsübernahme, sozio-moralische Reflektion, Bullying, relationale Aggression, Klassenklima und Vertrauensbeziehungen zu Freunden) wurden in einer 2. Teilevaluation des erweiterten fairplayer.manuals (2. Auflage) gemessen. Der begleitende Lehrerfragebogen enthielt Skalen zur Einschätzung von Stärken und Schwächen sowie zur sozialen Intelligenz und Empathie der Schüler. Zusätzlich bearbeiteten die Lehrkräfte einen Fragebogen zur Verhaltensänderung der Schüler und zur Prozessevaluation, der zur Post-Erhebung auch Fragen zum Verhalten der Schüler vor der Intervention enthielt.

Die 2. Teilevaluation war in einem Prä-Post-Design mit 3 Messzeitpunkten und mehreren Interventions- und Kontrollgruppen mit Follow-up-Messung nach einem Jahr angelegt. Die Prä-Erhebung fand im März 2006 statt. Die Post-Messung wurde im Juni 2006 erhoben. Durchgeführt wurde die Studie an einer Berliner Gesamtschule. Im Juni 2007 fand die Follow-up-Messung statt. Es standen 6 Klassen (N = 85) der 9. Klassenstufe als Interventionsgruppe (IG) und 3 Klassen (N = 41) als Kontrollgruppe (KG) zur Verfügung ("convenience-sample", ohne Zufallszuweisung der Klassen zu IG und KG). Die Altersspanne der Stichprobe betrug 14 – 18 Jahre (Durchschnittsalter = 15,2 Jahre), die Stichprobe bestand aus 65 Mädchen und 61 Jungen. In den Interventionsgruppen wurde das fairplayer.manual im Klassenverband über einen Zeitraum von 14 Wochen von fairplayer.teamern unter teilweiser Einbeziehung der Lehrkräfte durchgeführt. Vor Beginn der Maßnahme fand ein Workshop zur Einführung der Lehrkräfte in die Arbeitsmethoden des fairplayer.manuals statt. Begleitend wurde gemeinsam von Lehrkräften und fairplayer.teamern ein Informationsabend für interessierte Eltern angeboten.

Gefunden wurde u.a. ein signifikanter Rückgang in selbstberichteter Viktimisierung durch Bullying sowie von Bullying in einer von zwei IG, nicht aber in der KG.

Eine weitere Wirkungsevaluation wird derzeit durchgeführt.

Konzeptqualität

Kriterien sind erfüllt

Evaluationsergebnisse
(überwiegend) positiv
Evaluationsniveau und Beweiskraft
4 Sterne, starke Beweiskraft
Aufwand
mit (€) gekennzeichnete Posten erfordern finanzielle Leistungen an Externe

(€) Lehrerfortbildung vor Beginn (2x8 Zeitstunden) und Auffrischung zur Hälfte der Umsetzung (1x4 Zeitstunden), Umsetzung: 15-17 Unterrichtsdoppelstunden (á 90 Minuten), 2 Elternabende, (€) Supervision

erforderliche Kooperationspartner

fairplayer.teamer: Dipl.-Psychologen

Zeit bis zu erwartbaren Auswirkungen auf Risiko- bzw. Schutzfaktoren
Unterstützung bei der Umsetzung

Kurzsteckbrief der Antworten des Programmanbieters auf eine Umfrage des Landespräventionsrates Niedersachsen. Weitere Informationen folgen.


Erfahrungen mit dem Programm

Programm probiert in
Bettina-von-Arnim Oberschule in Berlin-Reinickendorf www.bettina.cidsnet.de
Schulzentrum Findorff in Bremen http://www.oberschule-findorff.de/
Liste der fairplayer-Schulen ist auf www.fairplayer.de zu finden
Programm aufgenommen in anderen Datenbanken, best-practice-Listen o.ä.

Suchzugänge

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