Landespräventionsrat Niedersachsen
CTC - communities that care

Mein Körper gehört mir
Mein Körper gehört mir - Theaterpädagogisches Präventionsprogramm für Kinder der 3. und 4. Grundschulklasse
Effektivität wahrscheinlich

Programminformationen

Ziel

Aufklärung zum Thema sexueller Missbrauch und Stärkung des Selbstbewusstseins von Kindern

Kinder sollen in die Lage versetzt werden

  • sexuellen Missbrauch zu erkennen
  • Handlungsmöglichkeiten im Falle eines sexuellen Übergriffs anzuwenden
  • Erwachsene ihres Vertrauens zur informieren

Lehrenden und Erziehungsberechtigten soll vermittelt werden

  • was sexueller Missbrauch ist
  • wie sie Kinder in ihrem Widerstand gegen sexuellen Missbrauch stärken können
  • welche Voraussetzungen nötig sind, damit sich Kinder in Fällen von sexuellem Missbrauch an sie wenden
  • was sie tun können, wenn ihnen ein Fall von sexuellem Missbrauch berichtet wird
Zielgruppe

Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren

Methode

Im Rahmen eines theaterpädagogischen Präventionsprogrammes wird eine Szenencollage aufgeführt. Die Vorführung sollte im Klassenverband erfolgen. Geschildert werden Situationen, nahe am Alltag, in denen die körperlichen Grenzen von Kindern verletzt werden, um verschiedene Facetten sexueller Gewalt zu thematisieren. In der Folge wird gezeigt wie Hilfe und Unterstützung gesucht und gefunden werden kann. Die Kinder im Publikum werden in die Aufführung eingebunden, indem sie aufgefordert werden, die Gefühle des Kindes in der gespielten Szene zu benennen und Lösungsvorschläge zu machen. Vorab wird ein Informationsabend für Eltern und das Schul- und Lehrpersonal angeboten, mit einer Vorführung aller drei Teile des Programms. Die Interaktionsphasen für die Kinder werden den Eltern, Lehrkräften und Interessierten beschrieben. Die zusätzliche Anwesenheit von Polizei und Beratungsstellen wird ausdrücklich befürwortet. Materialien zur Vor- und Nachbereitung im Unterricht stehen zur Verfügung.

Material / Instrumente
  • interaktive Szenencollage in drei Teilen
  • Materialien zur Nachbereitung im Unterricht
  • Vorlagen für die Einladung der Eltern
Ansprechpartner

Anna Pallas
theaterpädagogische werkstatt gGmbH
Lange Str. 15-17 49080 Osnabrück
mail: kontakt@tpw-osnabrueck.de  
Fon: 0541 580 54 63-0
Fax: 0541 580 54 63-33

Evaluation

Bowi U, Kruse J (2007). Abschlussbericht. Evaluation der Präventionsmaßnahme „Mein Körper gehört mir!“ zur Vorbeugung des sexuellen Missbrauchs an Grundschulen der Landeshauptstadt Düsseldorf. Januar 2006 – Oktober 2007. Düsseldorf Download

Andresen S, Gade JD, Grünewalt K. (2015). Prävention sexueller Gewalt in der Grundschule. Erfahrungen, Überzeugungen und Wirkungen aus Sicht von Kindern, Eltern, Lehr- und Fachkräfte. BELTZ Juventa

Problemverhalten
 
Das Programm wurde am 25.01.2019 in die Datenbank eingestellt
und zuletzt am 24.04.2019 geändert.

Umsetzung und Evaluation

Evaluation
Evaluationsmethode und Ergebnisse

1. Bowi U, Kruse J (2007). Abschlussbericht. Evaluation der Präventionsmaßnahme „Mein Körper gehört mir!“ zur Vorbeugung des sexuellen Missbrauchs an Grundschulen der Landeshauptstadt Düsseldorf. Januar 2006 – Oktober 2007.

Durchgeführt wurde eine prospektive kontrollierte Interventionsstudie mit drei Messzeitpunkten:

  • t0 = 4 Wochen vor Beginn der Intervention
  • t1 = 4 Wochen nach Ende der Intervention
  • t2 = 6 Monate nach Ende der Intervention

Für die Interventionsgruppe nahmen an der Befragung n=493 Kinder (n=75 davon nur t1 und t2), 56 Lehrerinnen und n=287 Eltern von 24 Klassen des dritten und vierten Jahrgangs an sechs verschiedenen Grundschulen teil. Für die Kontrollgruppe nahmen an der Befragung n=393 Kinder und n=204 Eltern des dritten und vierten Jahrgangs an fünf verschiedenen Grundschulen teil.
Die Kinder wurden mittels eines halbstandardisierten Interviews zu ihrem Wissen zu sexuellem Missbrauch, ihrer Kompetenz zur Einordnung von Gefühlen sowie zu Handlungsmöglichkeiten befragt. Dabei zeigten sich im Verlauf für die Interventionsgruppe deutlich bessere Ergebnisse im Gruppenvergleich als für die Kontrollgruppe. Für einen gebildeten Summenscore zu Kenntnissen zum Thema sexueller Missbrauch wurde zu t2, bezogen auf die Veränderung über die Zeit im Gruppenvergleich, ein statistisch signifikanter Effekt zum Vorteil der Interventtion nachgewiesen.

Der überwiegende Teil der befragten Lehrenden und der Eltern der Interventionsgruppe beurteilte das Programm als positiv oder sehr positiv. Der überwiegende Teil der befragten Eltern in der Kontrollgruppe würde die Einführung eines entsprechenden Programms begrüßen.

2. Andresen S, Gade JD, Grünewalt K. (2015). Prävention sexueller Gewalt in der Grundschule. Erfahrungen, Überzeugungen und Wirkungen aus Sicht von Kindern, Eltern, Lehr- und Fachkräfte. BELTZ Juventa:

Durchgeführt wurde eine prospektive kontrollierte Interventionsstudie mit zwei Messzeitpunkten. Befragt wurden Kinder der dritten Klasse an Bielefelder Grundschulen, welche die Interventionsgruppe (IG) sowie einer Grundschule in Mainz, welche die jeweilige Kontrollgruppe (KG) bilden. Die Datenerhebung erfolgte vor und sechs bis acht Wochen nach Ende der Intervention, bzw. in der KG sechs bis acht Wochen nach der ersten Erhebung.
Für die IG nahmen an der Befragung zu beiden Messzeitpunkten n=373 Kinder teil (von n=435 Kinder zu t0), für die KG n=51 Kinder (von n=58 Kinder zu t0).
Die Befragung erfolgte schriftlich im Rahmen einer regulären Schulstunde im Klassenverband, unter Anwesenheit von jeweils einer Mitarbeiterin und einem Mitarbeiter, die für die standardisierte Durchführung und für Fragen und Hilfestellungen zuständig waren.
Der schriftliche Kinderfragebogen wurde auf Grundlage des World Vision Kindersurveys, Fragen aus bereits durchgeführten Studien und eigenen Fragen zusammengestellt und einem Pretest mit zwei Wellen überprüft. Der Fragebogen enthielt Fragenblöcke zum Klassenklima, zu eigenen Gefühlen, zu selbstverantwortlicher Zustimmung bzw. Ablehnung, zur Einschätzung von Bekannten und Fremden, zum Umgang mit sogenannten Geheimnissen, zum Umgang mit Problemen, zum Thematisieren von Sexualität und Missbrauch sowie zum eigenen Verhältnis zu Erwachsenen. Dabei wurden Haltungen, Handlungsoptionen und Wissen jeweils mit einer vierstufigen Skala („Stimme voll zu“/“Ja“ dargestellt durch einen sehr großen Punkt bis „Stimme überhaupt nicht zu“/“Nein“ dargestellt durch einen sehr kleinen Punkt) erfasst. Ein weiterer Teil beinhaltet eine kurze Geschichte, die vorgelesen wird. Im Folgenden werden mehrere Antwortmöglichkeiten gegeben, die angekreuzt werden können. In der IG wurden zum zweiten Messzeitpunkt zusätzlich Fragen zur Einschätzung der Intervention gestellt.
Insgesamt zeigen sich im Gruppenvergleich über die Zeit eher kleine Effekte zugunsten der IG, die für einzelne Items auch statistische Signifikanz erreichen.
Die Anzahl der Kinder der im Verhältnis eher kleinen KG wird von den Studiendurchführenden selbst kritisch diskutiert, mit dem Hinweis, die Ergebnisse der Studie als eine erste Tendenz zu interpretieren.

Flankierend wurden Gruppendiskussionen mit Lehrkräften durchgeführt, die Schulleitungen und Eltern per Fragebogen befragt, sowie leitfadengestützte Interviews mit Eltern durchgeführt. Darin konnte für alle drei Gruppen eine hohe Zufriedenheit mit dem Programm aufgezeigt werden.
Darüber hinaus hatten diese Teile der Datenerhebung eher explorativen Charakter, dienten also der Erkundung des untersuchten Feldes.

Konzeptqualität

Kriterien sind erfüllt

Evaluationsergebnisse
überwiegend positiv
Evaluationsniveau und Beweiskraft
2 Sterne, vorläufige Beweiskraft
Aufwand
mit (€) gekennzeichnete Posten erfordern finanzielle Leistungen an Externe

(€) Präsentationsaufführung für Lehrende, Eltern, Sponsoren, ...
(€) Programmdurchführung

zusätzlicher Zeitaufwand: drei Unterrichtsstunden pro Klasse, verteilt auf drei Schultage
 

erforderliche Kooperationspartner

theaterpädagogische werkstatt gGmbh, Schulleitungen

Zeit bis zu erwartbaren Auswirkungen auf Risiko- bzw. Schutzfaktoren

Erfahrungen mit dem Programm

Programm probiert in

"Mein Körper gehört mir" wurde und wird an verschiedenen Grundschulen bundesweit, insbesondere in NRW und Niedersachsen durchgeführt.

Programm aufgenommen in anderen Datenbanken, best-practice-Listen o.ä.

Förderverein Kinderschutzportal - schulische Prävention gegen sexualisierte Gewalt
www.schulische-praevention.de


Suchzugänge

Programmtyp
Institutionen
Geschlecht
Alter der Zielgruppe
8 9 10 

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