Landespräventionsrat Niedersachsen
CTC - communities that care

IGEL
Das IGEL Programm
Effektivität wahrscheinlich

Programminformationen

Ziel
Durch Verbesserung des Wissens über sexuellen Missbrauch die Schutzfähigkeit von Kindern stärken.
Zielgruppe
Schüler*innen der 3. und 4. Klassen.
Methode

In sieben Unterrichtsstunden wird den Schüler*innen von der geschulten Lehrkraft kindgerecht Wissen über sexualisierte Gewalt und Präventions- bzw. Hilfemöglichkeiten vermittelt. Das Erkennen und Abwehren sexuell grenzüberschreitender Situationen wird mit verschiedenen didaktischen Methoden eingeübt.

Insgesamt soll an der Schule eine Kultur der Aufmerksamkeit geschaffen und schulorganisatorische Veränderungen (Schutzkonzepte für Kinder) vorgenommen werden. Grundlegend dafür ist die Sensibilisierung des gesamten Schulpersonals gegenüber sexualisierter Gewalt sowie das Erkennen und adäquate Reagieren bei Übergriffen. Dafür wird eine dreistündige Personalschulung durchgeführt. Das ausführende pädagogische Personal wird in weiteren zwei Stunden zu den Programminhalten geschult.

Die Eltern der Kinder werden über Elternabende und Elternbriefe einbezogen.

Material / Instrumente
Das Manual ist 2016 als Fachbuch im Beltz Juventa Verlag erschienen und enthält u.a. eine Handlungsanweisung (Checkliste) bei einem Verdachtsfall. Außerdem wird die Evaluation der Pilotphase (Prozess- und Ergebnisevaluation) dargestellt und daraus folgende Ergänzungen wurden in das Manual integriert.
Zahlreiche Materialien sind zum Download erhältlich.
Ansprechpartner

Dr. Wilhelm Körner (Psychologischer Psychotherapeut, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut, wissenschaftlicher Berater):wilhelm.koerner@web.de

Prof. Dr. Ullrich Bauer (Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaften):
ullrich.bauer@uni-bielefeld.de

Evaluation
Alfes, J.; Finne, E.; Czerwinski, F.; Kolip, P. (2016) Evaluationsergebnisse zum IGEL Programm. In: W. Körner, U. Bauer und I. Kreuz. Prävention von sexueller Gewalt in der Primarstufe. Manual für Lehrerinnen und Lehrer. Das IGEL Programm (S. 169-175). Weinheim: Beltz Juventa.

Alfes, J.; Finne, E.; Czerwinski, F.; Kolip, P. (2017) Prävention sexualisierter Gewalt. Zur Implementierung des IGEL-Programms in Grundschulen. Präv Gesundheitsf 12:112-117.

Czerwinski, F.; Finne, E.; Alfes, J.; Kolip, P. (2018) Effectiveness of a school-based intervention to prevent child sexual abuse- Evaluation of the German IGEL program. Child Abuse and Neglect 86:109-122.
 
Das Programm wurde am 30.04.2021 in die Datenbank eingestellt
und zuletzt am 28.04.2021 geändert.

Umsetzung und Evaluation

Evaluation
Evaluationsmethode und Ergebnisse
Czerwinski et al. (2018):
Der Artikel stellt die quantitative Ergebnisevaluation des Programms detailliert dar, während sie im Manual gekürzt beschrieben wurde.
Es haben 292 Drittklässler*innen in acht Interventionsschulen und vier Kontrollschulen, sowie 304 Eltern aus 180 Familien an den schriftlichen Befragungen vor der Programmdurchführung, unmittelbar im Anschluss und drei Monate danach teilgenommen. Erfasst wurde bei den Schüler*innen:
1) das Wissen zu sexuellem Missbrauch (gemessen mit dem CKAQ),
2) die Fähigkeit sexuellen Missbrauch zu erkennen (anhand von Aussagen zu Nacktheit und Sexualität, die einen vs. keinen sexuellen Missbrauch beschreiben),
3) die Auswahl von adäquaten Handlungsstrategien (anhand eines Fallbeispiels mit 15 Handlungsoptionen von passiv bis proaktiv, die es jeweils zu bewerten galt).
Um mögliche negative Effekte des Programms zu erkennen, wurden zusätzlich Angst (gemessen mit dem SCARED) und Berührungsabneigung (anhand von Fragen zur Abneigung bei Berührungen von Eltern, anderen Kindern, Lehrkräften oder in Menschenmengen) erhoben.
Die Eltern wurden ausschließlich zu den möglichen negativen Effekten Angst und Berührungsabneigung befragt. 
Als Ergebnisse wurden statistisch signifikante Verbesserungen mittlerer Stärke zugunsten der Interventionsgruppen bei den Wissensaspekten (1) und den Handlungsaspekten (3) gemessen; auch drei Monate nach der Messung. Ein Anstieg der unerwünschten Effekte durch das Programm wurde nicht berichtet. Allerdings erreichten Schüler*innen, die nicht vorrangig deutschsprachig aufwachsen, signifikant weniger positive Ergebnisse als deutschsprachig aufwachsende Schüler*innen. 
Einschränkend ist anzumerken, dass in der Evaluation keine randomisierte Zuordnung der Studienteilnehmer*innen erfolgte und keine längerfristigen Effekte gemessen wurden.

Diese quantitative Evaluation ist die Grundlage für die Bewertung des Programms, denn die Wirksamkeitsmessung anhand von kindbezogenen Outcome-Parametern ist das zentrale Kriterium für die Grüne Liste Prävention.
 

Alfes et al. (2017):
Der Artikel bezieht sich vorrangig auf die Ergebnisse der qualitativen Prozessevaluation des IGEL Programms. Die Umsetzbarkeit des Programms wurde mittels Dokumentationsbögen von 15 Lehrkräften und Interviews mit sieben Lehrkräften erfasst. Als Ergebnisse zeigten sich eine überwiegend planmäßige Umsetzung, eine große Akzeptanz und positive Stundenbewertungen. Hervorgehoben werden die Flexibilität, die Orientierung an schulischen Strukturen sowie die ausgearbeiteten Stunden und Materialien. Außerdem werden die Workshops und das kontinuierliche Beratungsangebot positiv bewertet. Es wurde ermittelt, dass das Klassenklima in der zweiten Einheit variiert und z.T. Unbehagen entsteht. Angeregt wird eine Überarbeitung in Richtung mehr methodischer Freiheiten, die deutlichere Berücksichtigung interkultureller Lebenskontexte, die Verknüpfung mit dem Sexualkundeunterricht sowie die stärkere Einbindung der Eltern und des schulischen Personals.
 
Diese Prozessevaluation mit den Lehrkräften ist nicht die Basis für die Bewertung der Grünen Liste Prävention, da hier keine kindbezogenen Outcome-Parameter im Zentrum stehen.
Konzeptqualität
Die Kriterien sind erfüllt.
Evaluationsergebnisse
(Überweigend)positiv.
Evaluationsniveau und Beweiskraft
Quasi-Experiment in der Praxis ohne Follow-up (3 Sterne) mit schwacher Beweiskraft.
Aufwand
mit (€) gekennzeichnete Posten erfordern finanzielle Leistungen an Externe
€ für Inhouse-Schulungen (z.B. als SchiLF).
erforderliche Kooperationspartner
Grundschulen, Expert*innen (Klärungsfachleute) für einen Verdachtsfall.
Zeit bis zu erwartbaren Auswirkungen auf Risiko- bzw. Schutzfaktoren
Unterstützung bei der Umsetzung
Kontinuierliche Beratungsmöglichkeit, auch nach Schulungsende.

Erfahrungen mit dem Programm

Programm probiert in
Nordrhein-Westfalen.

Suchzugänge

Programmtyp
Institutionen
Geschlecht
Alter der Zielgruppe
8 9 10 
sonstige Zielgruppenspezifikationen
Die Schüler*innen bearbeiten das Thema sexuelle Gewalt mit qualifizierten Lehrkräften der Schule, nicht mit externen Personen.

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